Eine Woche nach dem Aus für BioWare hat sich Mitgründer Greg Zeschuk erstmals zur Schließung geäußert. Im Interview mit dem Branchenportal 80 Level bezeichnet er die milliardenschwere Übernahme von Electronic Arts durch eine Investorengruppe als „den letzten Nagel im Sarg“ des Studios. Inzwischen ist auch bekannt, unter welchem Titel das eingestellte Mass Effect entwickelt wurde.

EA schließt BioWare nach über 30 Jahren

Electronic Arts hatte am 21. Oktober 2026 angekündigt, die Entwicklung am nächsten Mass Effect nicht fortzusetzen und BioWare samt dem Standort in Edmonton zu schließen. An dem Projekt arbeitete laut EA ein kleines Team, es befand sich noch in einer frühen Phase. Im Zuge der Umstrukturierung streicht der Publisher rund 400 Stellen, etwa 50 davon bei BioWare. BioWare selbst verabschiedete sich am selben Tag mit einem kurzen Blogeintrag und erinnerte an Spiele wie Baldur's Gate, Neverwinter Nights, Star Wars: Knights of the Old Republic, Dragon Age, Mass Effect und Anthem.

„Der letzte Nagel im Sarg“

Zeschuk hatte BioWare 1995 zusammen mit Ray Muzyka und Augustine Yip gegründet und das Studio 2012 gemeinsam mit Muzyka verlassen. Von der Schließung erfuhr er nach eigenen Angaben erst durch eine Reihe von Textnachrichten. Den entscheidenden Punkt sieht er in der Übernahme von EA für rund 55 Milliarden US-Dollar, die im August abgeschlossen wurde und von Saudi-Arabiens Staatsfonds PIF angeführt wird. Danach sei EA ein völlig anderes Unternehmen. Er vermutet, dass es bei dem Kauf vor allem um die Sportspiele und vielleicht Battlefield gegangen sei. BioWare mache ungewöhnliche, komplizierte Spiele, die viel Zeit brauchen. Jedes Jahr ein neues Sportspiel herauszubringen sei aus Sicht der Eigentümer in gewisser Weise das bessere Geschäftsmodell.

Deutliche Kritik übt Zeschuk an Führungskräften, die selbst nie ein Spiel entwickelt haben. Es gebe die seltsame Vorstellung, man könne großartige Spiele einfach mit beliebigen Leuten und KI nachbauen. Das funktioniere nicht. Wer in der Branche Karriere auf der Geschäftsseite mache, komme fast nie aus der Entwicklung und wisse deshalb nicht, wie Spieleentwicklung abläuft.

Kein Bedauern über den Verkauf an EA

Den Verkauf an Electronic Arts im Jahr 2007 bereut Zeschuk dagegen nicht. BioWare sei damals in guter Verfassung gewesen, es habe keinen Druck gegeben. Nach seinem Abschied habe EA dem Studio mehrere Chancen gegeben, zuletzt mit Dragon Age: The Veilguard. Am meisten tue ihm die Schließung für die Beschäftigten leid, die nun eine neue Stelle suchen müssen, und für Edmonton, wo BioWare gezeigt habe, dass auch abseits der großen Spielestandorte etwas Besonderes entstehen kann. Die Namensrechte oder die Marke Mass Effect zurückzuholen, schließt er aus: Die Spielebranche habe er bewusst hinter sich gelassen.

Das eingestellte Projekt hieß „Mass Effect: Universe“

Einen Tag nach der Ankündigung tauchte auf Reddit ein Trailer zu dem eingestellten Spiel auf. Er zeigt Szenen in Spielgrafik mit Assets aus der Vorproduktion und endet mit dem Titel „Mass Effect: Universe“. Bloomberg-Reporter Jason Schreier und IGN bezeichneten das Video als echt. EA selbst hatte in seiner Mitteilung nur von einem Mass-Effect-Projekt in früher Entwicklung gesprochen, einen Titel nannte der Publisher nicht.