Modest Mouse - An Eraser And A Maze Featured
Heute haben Modest Mouse haben ihr erstes neues Album seit fünf Jahren „An Eraser and A Maze“ – und ihr insgesamt achtes Studioalbum veröffentlicht. Das mit Spannung erwartete Werk umfasst 15 Titel und wurde von Isaac Brock produziert; als Co-Produzenten wirkten Jacknife Lee (R.E.M., U2), Suzy Shinn (Weezer) und Justin Raisen (Charli xcx, Kim Gordon, Lil Yachty) mit. Das Magazin *Paste* beschreibt das Werk als „lebendig und oft schonungslos emotional“. Zur Feier des Tages hat die Band ebenfalls ein Musikvideo zum Albumtrack „Life’s A Dream“ veröffentlicht. Das in Portland gedrehte Video entstand unter der Regie von Isaac Brock sowie den Co-Regisseuren Zach Storer und Chris Raab; es gleicht einem Fiebertraum und präsentiert eine Reihe von Charakteren, die das Verschwimmen von Traum und Realität widerspiegeln. „Life’s a dream / You are not alone / Never when you sleep.“
In der Physik gibt es eine Theorie – die Vorstellung, dass Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren und dass der Fluss der Zeit an sich eine Illusion ist. Dies ist zugleich der beste Ansatz, um „An Eraser and a Maze“ zu begreifen; denn auf diesem Album sind alle Epochen von Modest Mouse gleichzeitig und nebeneinander hörbar. Es mag das Ende einer Zeitlinie markieren oder den Beginn einer neuen oder vielleicht beides zugleich. So ist „Absolutely Necessary Never“ beispielsweise eine von Bass und Synthesizern getriebene Reise, die sich die DNA von „Tiny Cities Made of Ashes“ zunutze macht, der Apokalypse ein wenig den Schrecken nimmt und das Ganze auf der Toilette eines 80er-Jahre-Clubs durch die Nase zieht. Ganz nebenbei ist der Song auch ein neuer Modest-Mouse-Klassiker. „Speak ‘N Spell (Or Not)“ wirkt wie eine Mischung aus der Gitarrenarbeit früher Modest-Mouse-Alben und den bombastischen Refrains von „Good News for People Who Love Bad News“. Die gelegentlichen Übergänge zwischen den Songs erinnern an „The Moon & Antarctica“. Die Gitarrenparts in „Look How Far …“ hätten sich auch auf „We Were Dead Before the Ship Even Sank“ perfekt eingefügt. Natürlich wirkt nichts davon wie ein bloßes Aufwärmen der Vergangenheit. Alles existiert vielmehr simultan – was angesichts des kreativen Ursprungs dieses Werks nur allzu passend und eigentlich offensichtlich erscheint. Der Geist der Musiker aus verschiedenen Epochen der Bandgeschichte ist auf dem gesamten Album spürbar. Der verstorbene Sam Jayne von Love as Laughter – ein Freund und Weggefährte – ist zu Beginn von „Life’s a Dream“ als Sample zu hören. Auch das verstorbene Gründungsmitglied Jeremiah Green ist im Geiste auf „Stoner Party“ präsent: Der Song enthält einen Sprechchor, in den die Band gelegentlich ausgelassen einstimmte. Green hatte die entsprechende Zeile einst an der Wand eines verlassenen Hauses entdeckt, als er dort mit Freunden herumhing. Auf „Absolutely Necessary Never“ sind Synthesizer-Klänge des langjährigen Mitarbeiters Tom Peloso sowie Percussion von Ben Massarella zu hören, der seit „The Moon & Antarctica“ fester Bestandteil des Umfelds ist. Weitere Beiträge stammen von Benjamin Weikel, dem Schlagzeuger des Albums „Good News for People Who Love Bad News“. Auch die aktuellen Bandmitglieder Higbee und O’Connor leisten fantastische Arbeit; die Rolle des Schlagzeugers wird von einer ganzen Reihe von Musikern ausgefüllt, darunter der aktuelle Tour-Drummer Damon Cox, Janet Weiss (Quasi, Sleater-Kinney) und diverse andere. Modest Mouse begannen unmittelbar nach „The Golden Casket“ mit der Arbeit an dieser Songsammlung (Brock erinnert sich, dass er „Absolutely Necessary Never“ auf der Veranda des Studios entwarf, während die Arbeiten am vorangegangenen Album gerade abgeschlossen wurden). Anschließend arbeitete Brock mit Jacknife Lee (U2, The Killers) zusammen, der die Produktion des Albums fortführte – unterstützt von der aufstrebenden Produzentin Suzy Shinn (Weezer, Dua Lipa, Panic! At The Disco) sowie Justin Raisen (Charli XCX, Kim Gordon, Lil Yachty), der einen Track („Rotten Fruit“) produzierte. Was den thematischen roten Faden betrifft, der alles zusammenhält: Brock ist zwar kein Freund davon, ein Album zu sehr zu erklären oder intellektuell zu überfrachten, doch eines lässt er gelten: Mit „The Golden Casket“ (2021) wollte er – für andere wie auch für sich selbst – während der Pandemie Lichtblicke schaffen. „Diesmal habe ich einfach versucht, ganz ehrlich zu mir selbst zu sein. Auch wenn das jeder verdammte Musiker sagt, wenn er eine Platte herausbringt. Ich meine, hör dir ruhig mal irgendein Interview zwischen einem Musiker und Terry Gross an – achte besonders auf die Drei-Minuten-Marke. Worauf ich hinauswill: Ich habe meinen Filter einfach stärker ausgeschaltet und den Dingen ihren Lauf gelassen.“ Wie Brock der Seattle Times nach Greens Tod Ende 2022 sagte: „Ich kann mir vorstellen, dass hier im Haus noch eine ganze Weile ein Geist umgehen wird.“
Da er in den letzten Jahren so viele Menschen in seinem Leben verloren hat, hat Brock viel über die Sterblichkeit nachgedacht. Sehr viel. Und er scheint sehr gut damit umgehen zu können. In den Liner Notes der Platte heißt es: “Love and remembering …”, gefolgt von einer unvollständigen Liste von Namen. Während auf seiner Veranda eine Zigarette vor sich hin glimmt, äußert er die Hoffnung, dass die Hinterbliebenen in dieser Sammlung etwas Brauchbares finden würden – nichts „oberflächlich Optimistisches“ und auch nicht nach dem Motto „Dies ist meine dunkelste Stunde“, sondern … einfach: ETWAS. Wahrscheinlich überlegt er gerade, während er das hier liest ob er es wieder löschen soll – aber verdammt noch mal, ihm selbst hat es auch geholfen. Es trifft den Kern seines schwer greifbaren Schaffensprozesses. „Gedanken, Emotionen, Gefühle, all das … man ist wie eine Suppe, und es ist nicht immer einfach, die einzelnen Zutaten herauszufiltern. Ich grüble nicht viel über Dinge. Ich trauere nicht viel. Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt ein Mensch bin. Ich habe das Gefühl, ich sollte mehr Gefühle haben, als ich habe. Aber dann, wisst ihr, singe ich etwas. Und ich denke: Oh, da ist es. Oh – es ist da drin.“
Zudem feiern Modest Mouse in diesem Jahr das 30-jährige Jubiläum der Veröffentlichung ihres Studio-Debütalbums „This is a long drive for someone with nothing to talk about“. Die Band gilt bis heute als eine von der Kritik am höchsten geschätzten Formationen der Moderne – eine Band, die eigentlich nie so recht irgendwo hineinpasste; und genau das ist der Grund, warum sie eine so immense Bedeutung erlangt hat.
Band: Modest Mouse
Album-Titel: "An Eraser And A Maze"
Album-VÖ: 05.06.2026
Label: Glacial Pace Recordings / Virgin Music
Fotocredits: Ben Moon
