Die Leak-Welle rund um Grand Theft Auto VI nimmt kein Ende. Nachdem in den vergangenen Tagen bereits zahlreiche bislang unveröffentlichte Gameplay-Szenen im Netz aufgetaucht waren, hat sich die Situation innerhalb der letzten 24 Stunden noch einmal zugespitzt. Neues Material zeigt weitere Bereiche der offenen Welt, CyberLeek stellt immer kuriosere Bedingungen für kommende Veröffentlichungen und Take-Two versucht mit juristischen Mitteln herauszufinden, wer hinter der Aktion steckt.
Dabei entwickelt sich die Geschichte zunehmend über die eigentlichen GTA-6-Leaks hinaus. Inzwischen geht es um einen eigenen Kryptowährungs-Token, hohe Geldforderungen, Aktionen vor Rockstar-Büros und eine Untersuchung, bei der mehrere der größten Technologieplattformen eine Rolle spielen.
Auf Story-Spoiler verzichten wir auch diesmal vollständig.
CyberLeek veröffentlicht weiteres GTA-6-Gameplay
Die Zahl der größeren veröffentlichten Gameplay-Clips ist mittlerweile auf mindestens elf gestiegen. Der jüngste davon zeigt erneut einen Bereich von Leonida, den Rockstar bislang nicht ausführlich vorgestellt hat.
Dabei handelt es sich um ein offenbar als Nudistenbereich angelegtes Areal. Im Video bewegt sich der Spieler durch das Gebiet und trifft dort auf zahlreiche NPCs. Für GTA-Verhältnisse ist die Idee eines solchen Ortes zwar kaum überraschend, interessant ist vielmehr die Umsetzung.
Die Szene vermittelt erneut den Eindruck, dass Rockstar versucht, einzelnen Bereichen der Spielwelt eine eigene Identität zu geben. NPCs stehen nicht einfach nur herum, sondern bevölkern den Ort mit unterschiedlichen Animationen und Verhaltensweisen.
Genau solche kleinen Details ziehen sich inzwischen durch viele der geleakten Videos. GTA 6 scheint seine enorme Spielwelt nicht ausschließlich über Größe definieren zu wollen. Unterschiedliche Orte sollen offenbar auch tatsächlich unterschiedliche Situationen und Begegnungen bieten.
Der Leak zeigt erneut, wie detailliert Leonida werden könnte
Mit jedem weiteren Video wird etwas deutlicher, welchen Stellenwert die eigentliche Open World in GTA 6 einnehmen könnte.
Bereits die vorherigen Leaks zeigten unter anderem interaktive Tankstellen, umfangreichere Fahrzeugschäden, Verkehrskameras, unterschiedliche Reaktionen bei Fahrzeugdiebstählen, Polizeiverfolgungen und zahlreiche NPC-Interaktionen.
Der neueste Ausschnitt liefert zwar keine ähnlich große neue Gameplay-Mechanik, unterstreicht dafür aber die enorme Detaildichte der Spielwelt.
Rockstar scheint Leonida mit zahlreichen Orten auszustatten, die über eine einfache Kulisse hinausgehen. Das könnte am Ende wesentlich wichtiger sein als die reine Größe der Karte. Eine gigantische Open World bringt schließlich wenig, wenn sich große Teile davon identisch anfühlen.
Die bisher veröffentlichten Aufnahmen vermitteln zumindest den Eindruck, dass Rockstar genau dieses Problem vermeiden möchte.
CyberLeek stellt eine bizarre Forderung für den nächsten Leak
Noch kurioser als das neue Gameplay ist allerdings die Bedingung, die CyberLeek inzwischen für weiteres Material gestellt hat.
Die Verantwortlichen fordern offenbar, dass mindestens zehn Personen während der Geschäftszeiten vor Büros von Rockstar oder Take-Two erscheinen. Dabei sollen sie als Lauch verkleidet sein und Spiele-Discs in den Händen halten.
Erst wenn diese Bedingung erfüllt wird, soll weiteres GTA-6-Material veröffentlicht werden.
Was zunächst wie ein schlechter Scherz klingt, passt inzwischen erstaunlich gut zur gesamten CyberLeek-Aktion. Die Verantwortlichen nutzen die enorme Aufmerksamkeit rund um GTA 6 zunehmend für öffentliche Inszenierungen.
Und offenbar findet sich tatsächlich jemand, der dabei mitmacht.
Ein Fan soll tatsächlich bei Rockstar North aufgetaucht sein
Inzwischen gibt es Berichte, dass ein Fan der Aufforderung gefolgt und beim Rockstar-North-Büro erschienen sein soll.
Damit verlässt die Geschichte endgültig die rein digitale Ebene. Aus einer Reihe von Gameplay-Leaks ist innerhalb weniger Tage eine Kampagne geworden, bei der CyberLeek versucht, die Community zu realen Aktionen zu bewegen.
Für Rockstar dürfte genau diese Entwicklung besonders unangenehm sein.
Das Unternehmen muss nicht mehr nur versuchen, geleakte Videos möglichst schnell von YouTube, X und anderen Plattformen entfernen zu lassen. Gleichzeitig entsteht rund um die Person oder Gruppe hinter CyberLeek eine eigene Community, die jede neue Forderung und Veröffentlichung verfolgt.
Ob sich tatsächlich zehn Personen finden, die die neue Bedingung erfüllen, bleibt abzuwarten.
CyberLeek verlangt jetzt eine enorme Summe für direkten Kontakt
Parallel dazu wird die finanzielle Seite der Aktion immer auffälliger.
Auf den mit CyberLeek verbundenen Seiten soll mittlerweile eine Kontaktmöglichkeit angeboten werden. Wer direkt mit den Verantwortlichen in Verbindung treten möchte, soll dafür allerdings tief in die Tasche greifen.
Im Raum steht eine Zahlung von rund 169.000 US-Dollar in Monero.
Zusätzlich soll es Möglichkeiten geben, Werbeflächen im Zusammenhang mit den veröffentlichten Inhalten zu erwerben.
Damit wird es immer schwieriger, die Leak-Kampagne ausschließlich als Protest gegen problematische Entwicklungen innerhalb der Spieleindustrie zu betrachten.
CyberLeek hatte ursprünglich Forderungen aufgestellt, die unter anderem digitale Vorbestellungen, zusätzliche Bezahlmodelle für bereits vorhandene Singleplayer-Inhalte und die langfristige Spielbarkeit von Titeln nach einer Serverabschaltung betreffen.
Gleichzeitig wird die enorme Reichweite von GTA 6 inzwischen aber offensichtlich genutzt, um eigene Projekte und finanzielle Interessen zu fördern.
Der CyberLeek-Coin profitiert von der Aufmerksamkeit
Dazu gehört auch der bereits bekannte CYBERLEEK-Token auf der Solana-Blockchain.
Der Memecoin wird direkt mit der Leak-Kampagne verbunden. Teilweise konnten Besitzer beziehungsweise Mitglieder der Community sogar darüber abstimmen, welches GTA-6-Material als Nächstes veröffentlicht werden sollte.
Innerhalb kürzester Zeit entwickelte sich rund um den Token eine erhebliche Spekulation.
Dabei sollte allerdings eines vollkommen klar sein: Der Coin besitzt keinerlei offizielle Verbindung zu Rockstar Games, Take-Two oder Grand Theft Auto VI.
Die Kombination aus einem der meist erwarteten Spiele überhaupt, exklusiven Leaks und einem spekulativen Kryptowährungsprojekt macht die gesamte Angelegenheit entsprechend riskant.
Take-Two erhöht den juristischen Druck
Während CyberLeek weiterhin provoziert, arbeitet Take-Two auf einer völlig anderen Ebene daran, die Verantwortlichen zu identifizieren.
Bekannt war bereits, dass Microsoft und Discord im Zusammenhang mit den Ermittlungen eine Rolle spielen. Take-Two versucht über entsprechende gerichtliche Verfahren an Informationen zu gelangen, die Hinweise auf die Identität der beteiligten Personen liefern könnten.
Mittlerweile wird deutlich, dass die Untersuchung offenbar noch weiter reicht.
Auch Daten beziehungsweise Informationen von Google und X sollen für Take-Two interessant sein. Im Mittelpunkt stehen Accounts und Inhalte, über die das geleakte Material verbreitet oder möglicherweise ursprünglich hochgeladen wurde.
Besonders umfangreich könnten die Forderungen gegenüber Discord ausfallen. Berichten zufolge geht es um Accounts, die auf mehreren Servern aktiv waren, die mit der Verbreitung der Leaks in Verbindung gebracht werden.
Das bedeutet allerdings ausdrücklich nicht, dass jeder Nutzer dieser Server etwas mit dem eigentlichen Leak zu tun hatte.
Auch Microsoft könnte wichtige Informationen besitzen
Bei Microsoft sollen unter anderem technische Account- und Geräteinformationen von Interesse sein.
Dazu können beispielsweise IP-Adressen, Gerätekennungen oder mit bestimmten Accounts verbundene Informationen gehören. Ob und welche Daten tatsächlich an Take-Two übergeben werden, steht damit allerdings noch nicht automatisch fest.
Microsoft hat bereits bestätigt, mit Take-Two und Rockstar zusammenzuarbeiten, um deren geistiges Eigentum zu schützen.
Gerade dieser Teil der Untersuchung könnte interessant werden. Seit Beginn der Leak-Welle wird darüber spekuliert, wie CyberLeek überhaupt Zugriff auf eine spielbare Version von GTA 6 bekommen konnte.
Belastbare Beweise für einen bestimmten technischen Weg gibt es bislang jedoch nicht.
Vorsicht vor einem angeblichen GTA-6-Download
Die Aufmerksamkeit rund um die Leaks zieht inzwischen außerdem Betrüger an.
Im Netz ist eine angebliche GTA-6-ISO mit einer Größe von rund 113 GB aufgetaucht. Wer jetzt allerdings glaubt, damit an die geleakte Spielversion gelangen zu können, sollte unbedingt die Finger davon lassen.
Analysen des Downloads zufolge handelt es sich nicht um GTA 6. Stattdessen soll die Datei fast vollständig aus bedeutungslosen Daten bestehen, während gleichzeitig Schadsoftware versteckt wurde.
Die Malware soll unter anderem versuchen, Windows-Sicherheitsfunktionen zu deaktivieren und laufende Schutzprogramme zu beenden.
Das ist besonders gefährlich, weil die aktuelle Leak-Situation die Geschichte eines angeblich vollständigen GTA-6-Downloads auf den ersten Blick glaubwürdiger erscheinen lässt.
Nur weil CyberLeek offenbar Zugriff auf eine spielbare Version besitzt, bedeutet das nicht, dass irgendwo eine funktionierende GTA-6-Version für PC heruntergeladen werden kann.
Entsprechende Downloads sollten deshalb grundsätzlich gemieden werden.
Der größte Leak könnte noch bevorstehen
CyberLeek deutet weiterhin an, noch wesentlich mehr Material zu besitzen.
Genau hier wird es für Spieler allerdings kritisch. Bislang ließen sich die interessanten Informationen größtenteils betrachten und diskutieren, ohne sich wichtige Teile der Handlung vorwegzunehmen.
Sollten weitere Veröffentlichungen tatsächlich stärker auf Missionen und Story-Inhalte eingehen, könnte sich das sehr schnell ändern.
Deshalb werden wir bei Daily-Media auch weiterhin keine großen Story-Enthüllungen aus den Leaks wiedergeben.
Die Open-World-Systeme, technischen Details und neuen Gameplay-Mechaniken sind interessant genug. Die Geschichte von GTA 6 sollte jeder Spieler selbst erleben können.
Die Leak-Kampagne wird für Rockstar immer unangenehmer
Innerhalb weniger Tage hat sich die Situation enorm verändert.
Anfangs standen vor allem einzelne Gameplay-Clips im Mittelpunkt. Mittlerweile veröffentlicht CyberLeek regelmäßig neues Material, bindet einen eigenen Kryptowährungs-Token ein, stellt ungewöhnliche Forderungen an die Community und verlangt offenbar enorme Summen für direkten Kontakt.
Gleichzeitig versucht Take-Two über Microsoft, Discord und weitere Plattformen an Informationen zu gelangen, die zur Identifizierung der Verantwortlichen führen könnten.
Dazu kommen nun Betrüger, die die Aufmerksamkeit ausnutzen und angebliche GTA-6-Versionen mit Schadsoftware verbreiten.
Aus einem klassischen Spiele-Leak ist damit längst eine deutlich größere Geschichte geworden.
Ausgerechnet jetzt steht Rockstars große GTA-6-Präsentation bevor
Das Timing könnte für Rockstar kaum schlechter sein.
Am 27. August steht mit „Grand Theft Auto VI: An Extended Look“ die nächste große offizielle Präsentation des Spiels bevor.
Eigentlich sollte Rockstar dort selbst bestimmen, welche neuen Details Spieler erstmals zu Gesicht bekommen. Stattdessen wurden innerhalb weniger Tage bereits zahlreiche bislang unbekannte Spielszenen im Netz verbreitet.
Gerade deshalb dürfte die Präsentation jetzt sogar noch spannender werden.
Erstmals können wir direkt vergleichen, welche der in den Leaks sichtbaren Mechaniken Rockstar offiziell vorstellt und welche Funktionen möglicherweise lediglich aus einer älteren Entwicklungsfassung stammen.
Denn trotz aller interessanten Entdeckungen darf man eines nicht vergessen: Ein Feature in einem geleakten Entwicklungs-Build ist keine Garantie dafür, dass es genauso in der fertigen Version enthalten sein wird.
Fazit: Aus dem GTA-6-Leak wird ein Katz-und-Maus-Spiel
Die vergangenen 24 Stunden haben gezeigt, dass CyberLeek offenbar noch nicht fertig ist.
Ein weiterer Gameplay-Clip ist aufgetaucht, neue Veröffentlichungen werden mit immer ungewöhnlicheren Bedingungen verknüpft und die finanziellen Interessen hinter der Aktion werden zunehmend offensichtlicher.
Auf der anderen Seite fährt Take-Two seine juristischen Geschütze auf und versucht, die digitalen Spuren der Verantwortlichen zurückzuverfolgen.
Damit läuft momentan ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel: CyberLeek versucht, möglichst viel Aufmerksamkeit zu erzeugen, während Take-Two gleichzeitig versucht, die Quelle zu identifizieren und die Verbreitung des Materials einzudämmen.
Für GTA-6-Fans bleibt dabei eine gewisse Vorsicht angebracht. Nicht jede Behauptung rund um CyberLeek ist automatisch wahr und längst nicht jedes sichtbare Feature muss es in die finale Version schaffen.
Noch wichtiger ist derzeit aber eine andere Warnung: Angebliche GTA-6-Builds oder ISO-Dateien aus dubiosen Quellen sollte niemand herunterladen. Die ersten Betrüger versuchen bereits, die enorme Aufmerksamkeit rund um die Leaks für die Verbreitung von Schadsoftware auszunutzen.
Bis zur offiziellen Präsentation am 27. August sind es nur noch wenige Tage. Angesichts des bisherigen Tempos wäre es allerdings keine Überraschung, wenn CyberLeek bereits vorher erneut nachlegt.