Silent Hill: Townfall bricht mit einer der bekanntesten Traditionen der Reihe. Statt den Protagonisten aus der Third-Person-Perspektive zu begleiten, erleben Spieler den Horror vollständig aus seinen Augen. Kurz vor dem Release zeigt sich nun genauer, dass dahinter weit mehr steckt als nur eine andere Kameraposition.
Am 24. September 2026 kehrt Silent Hill zurück. Doch wer bei „Townfall“ ein klassisches Silent Hill mit einer lediglich veränderten Perspektive erwartet, dürfte überrascht werden. Entwickler Screen Burn nutzt die Ego-Perspektive gezielt für Spielmechaniken, die sich um eingeschränkte Sicht, Stealth, Flucht und die ständige Unsicherheit drehen, was gerade außerhalb des eigenen Blickfelds passiert.
Die Handlung führt nach St. Amelia, einer abgelegenen schottischen Insel. Protagonist Simon Ordell kehrt an diesen nebelverhangenen Ort zurück, um etwas aus seiner Vergangenheit „in Ordnung zu bringen“. Was genau ihn mit St. Amelia und seinen Bewohnern verbindet, soll sich erst nach und nach zeigen.
1. Ein deutlich eingeschränkterer Blick
Einer der offensichtlichsten Unterschiede ist gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil des Horrors. Da Spieler die Umgebung unmittelbar aus Simons Perspektive sehen, fehlt die Übersicht einer Third-Person-Kamera.
Townfall verstärkt diesen Effekt zusätzlich durch eine Präsentation im Seitenverhältnis 2,35:1. Der Blick nach links und rechts bleibt breit, vertikal steht allerdings weniger Sichtfläche zur Verfügung. Gegner außerhalb des Sichtfeldes werden dadurch schnell zur Gefahr.
Das macht auch Geräusche wichtiger. Wer etwas hört, weiß schließlich noch lange nicht, wo es sich befindet.
2. Das CRTV wird zum wichtigen Werkzeug
Ein Radio und Silent Hill gehören beinahe untrennbar zusammen. Townfall interpretiert diese Idee neu.
Simon besitzt ein tragbares Fernsehgerät namens CRTV. Es lässt sich auf unterschiedliche Frequenzen einstellen und kann dabei helfen, Gegner in der Umgebung aufzuspüren.
Auf der PS5 kommt zusätzlich das haptische Feedback des DualSense-Controllers ins Spiel: Befindet sich ein neuer Gegner in der Nähe, kann der Controller einen entsprechenden Impuls liefern.
Das Interessante daran: Das Gerät muss tatsächlich vor Simon gehalten werden. Spieler beobachten damit gleichzeitig den Bildschirm des CRTV und ihre reale Umgebung.
3. Nahkampf wird unangenehm direkt
Auch Kämpfe verändern sich durch die Perspektive deutlich. Monster greifen nicht mehr eine Figur einige Meter vor der Kamera an – sie kommen unmittelbar auf den Spieler zu.
Simon kann sich mit improvisierten Gegenständen verteidigen und Angriffe blocken. Schnelle Reaktionen sind gefragt, um Gegenangriffe abzuwehren und selbst Treffer zu landen.
Damit dürfte Townfall allerdings kein reiner Action-Horror werden. Denn nicht jede Situation soll mit Gewalt gelöst werden.
4. Schleichen statt kämpfen
Stealth spielt eine entsprechend große Rolle. Simon kann sich hinter Zäunen, Fahrzeugen und anderen Objekten ducken und versuchen, Gegner unbemerkt zu umgehen.
Besonders interessant ist die Möglichkeit, vorsichtig um Ecken oder über Deckungen zu schauen. In der Ego-Perspektive entsteht daraus ein einfaches, aber wirkungsvolles Horrorszenario: Man möchte wissen, wo sich das Monster befindet – gleichzeitig möchte man ihm eigentlich lieber nicht ins Gesicht sehen.
5. Manchmal bleibt nur die Flucht
Wird Simon entdeckt, kann Weglaufen die bessere Entscheidung sein.
Gegner lassen sich unter Umständen abschütteln, indem ihre Sichtlinie unterbrochen wird. Zusätzlich gibt es Verstecke wie Schränke und Spinde. Von dort kann Simon beobachten, ob die Gefahr vorüberzieht.
Allerdings sind diese Orte keine garantierten Sicherheitszonen. Bemerkt ein Gegner, wie Simon sich versteckt, kann er ihn dort wieder herausziehen.
6. Waffen lassen sich per Bewegungssensor ausrichten
Auf PS5 unterstützt Townfall optional die Bewegungssteuerung des DualSense. Beim Zielen mit einer Schusswaffe oder beim Werfen von Gegenständen kann der Controller bewegt werden, um die Ausrichtung genauer anzupassen.
Wer klassische Stick-Steuerung bevorzugt, muss die Funktion nicht verwenden. Die Bewegungssteuerung lässt sich optional aktivieren.
7. Selbst die Karte kann zum Risiko werden
Eine der spannendsten Konsequenzen der Ego-Perspektive zeigt sich bei eigentlich völlig gewöhnlichen Aktionen.
Wer eine Schublade durchsucht, einen Computer benutzt oder andere Dinge genauer betrachtet, kann seine Umgebung nicht gleichzeitig vollständig überwachen.
Selbst die Karte wird nicht einfach als sichere Menüansicht eingeblendet. Simon hält sie vor sich – und verdeckt damit einen Teil seines Blickfelds.
Plötzlich wird selbst ein Blick auf den Weg zum Risiko, wenn sich irgendwo hinter Simon etwas bewegt.
8. Rätsel und Erkundung werden unmittelbarer
Rätsel bleiben ein wichtiger Teil von Silent Hill. Townfall verbindet sie jedoch stärker mit der direkten Erkundung.
Hinweise können beispielsweise auf Schreibtischen, in Schubladen oder innerhalb von Diagrammen versteckt sein. Räume müssen entsprechend aufmerksam untersucht werden.
Genau das erzeugt ein weiteres Spannungsfeld: Wer einen Hinweis sucht, konzentriert sich auf seine unmittelbare Umgebung und läuft gleichzeitig Gefahr, einen herannahenden Gegner zu übersehen.
9. Simon bekommt eine innere Stimme
Die Ego-Perspektive soll nicht ausschließlich für Schreckmomente genutzt werden. Sie dient auch der Charakterzeichnung.
Statt Simon ständig laut mit sich selbst sprechen zu lassen, können seine Gedanken direkt auf dem Bildschirm erscheinen. Dadurch erhalten Spieler Einblicke in seine Reaktion auf Ereignisse und Orte, ohne dass der Protagonist jede Beobachtung kommentieren muss.
Das passt zu einem Silent Hill, bei dem psychologischer Horror und die Vergangenheit seiner Figuren traditionell mindestens genauso wichtig sind wie die Monster.
Townfall will bewusst ein anderes Silent Hill sein
Die Perspektive ist deshalb vermutlich die auffälligste, aber nicht die einzige Veränderung. Townfall kombiniert Ego-Horror mit Erkundung, Stealth, Flucht, Kämpfen und narrativen Rätseln.
Komplett neu ist First-Person für die Reihe zwar nicht. Silent Hill 4: The Room nutzte Ego-Sequenzen und auch Silent Hill: The Short Message experimentierte mit der Perspektive. Townfall geht jedoch einen entscheidenden Schritt weiter und setzt bei einem vollständigen Silent-Hill-Spiel konsequent darauf.
Auch beim Schauplatz verlässt die Reihe erneut bekannte Pfade. St. Amelia liegt vor der schottischen Küste, die Geschichte spielt 1996. Entwickler Screen Burn stammt selbst aus Schottland.
Release bereits diese Woche
Lange müssen Horror-Fans nicht mehr warten. Silent Hill: Townfall erscheint am 24. September 2026 für PlayStation 5, Steam und den Epic Games Store.
Die Digital Deluxe Edition beinhaltet außerdem einen bis zu 48 Stunden früheren Zugang.
Ob der Wechsel in die Ego-Perspektive am Ende tatsächlich mehr Angst erzeugt, dürfte für Fans eine der spannendsten Fragen sein. Fest steht schon jetzt: Screen Burn behandelt die Perspektive nicht einfach als neue Kamera, sondern baut einen erheblichen Teil des Gameplays um ihre Einschränkungen herum.