Arcade-Rennspiele waren einmal ein zentraler Bestandteil der Gaming-Landschaft. Reihen wie „Burnout“, „Ridge Racer“ und frühe „Need for Speed“-Ableger stellten Geschwindigkeit, spektakuläre Unfälle und unmittelbaren Spielspaß über realistische Fahrzeugabstimmungen. Mit „Wreckreation 2“ möchte das britische Studio When Tides Turn genau dieses Gefühl wiederbeleben.
Der Nachfolger des 2025 veröffentlichten „Wreckreation“ befindet sich für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S in Entwicklung. Ein konkreter Erscheinungstermin wurde noch nicht genannt. Nach Angaben des Studios befindet sich das Projekt derzeit noch in einer frühen Entwicklungsphase.
Im Mittelpunkt steht die neue offene Spielwelt Heartbreak City. Die Küstenmetropole wurde nicht als ruhige Kulisse für entspannte Erkundungsfahrten entworfen, sondern als gewaltiger Spielplatz für aggressive Rennen, Verfolgungsjagden und zerstörerische Duelle.
Jeder Rennsieg muss erkämpft werden
„Wreckreation 2“ beschreibt jedes Rennen ausdrücklich als Auseinandersetzung. Es genügt nicht, lediglich die schnellste Ideallinie zu finden. Spieler müssen ihre Konkurrenten beobachten, Angriffe vorbereiten und im richtigen Moment zuschlagen.
Andere Fahrzeuge lassen sich abdrängen, in Hindernisse drücken oder durch gezielte Manöver vollständig ausschalten. Ein erfolgreicher Takedown kann die Reihenfolge des gesamten Fahrerfeldes verändern und aus einem scheinbar verlorenen Rennen innerhalb weniger Sekunden wieder einen offenen Kampf machen.
Damit orientiert sich das Spiel deutlich stärker an klassischen Combat-Racern als an realistischen Rennsimulationen. Fahrzeugkontakt ist kein Fehler, sondern ein zentraler Bestandteil des Spielsystems.
Die Entwickler versprechen, dass sich Rennen dadurch nicht jedes Mal identisch entwickeln. Unfälle, gewählte Abkürzungen und die Aktionen konkurrierender Fahrer sollen regelmäßig neue Situationen erzeugen.
Heartbreak City wird zum riesigen Rennspielplatz
Die neue offene Spielwelt besteht aus mehreren unterschiedlich gestalteten Stadtteilen. Dichte Innenstadtstraßen treffen auf erhöhte Schnellstraßen, Industriegebiete, Hafenanlagen und weitläufige Flughafenareale.
Jeder Bereich soll eigene Möglichkeiten für Rennen und Takedowns bieten. Enge Straßen eignen sich beispielsweise dazu, Gegner gegen Mauern und den Gegenverkehr zu drücken. Auf breiten Autobahnen stehen Geschwindigkeit und riskante Spurwechsel stärker im Mittelpunkt.
Die Start- und Landebahnen des Flughafens bieten ausreichend Platz für Hochgeschwindigkeitsduelle, während Container, Kräne und Lagerhallen im Hafen zu gefährlichen Hindernissen werden.
Zusätzlich verstecken sich kleinere Nebenstraßen und Abkürzungen in der Umgebung. Wer Heartbreak City genau kennt, kann diese Routen nutzen, um Gegner zu überraschen oder scheinbar uneinholbare Rückstände aufzuholen.
Die Entwickler reagieren auf Kritik am Vorgänger
When Tides Turn betont, in den vergangenen sechs Monaten intensiv mit der Community gesprochen zu haben. Rückmeldungen zum Fahrgefühl, zum Fortschrittssystem, zur Gestaltung der offenen Welt und zu den Events sollen direkt in die Entwicklung von „Wreckreation 2“ einfließen.
Dieser Ansatz ist für die Reihe besonders wichtig. Der Vorgänger bot zwar kreative Ideen und einen umfangreichen Streckeneditor, wurde jedoch für seine teilweise leer wirkende Spielwelt und ein noch nicht vollständig ausgereiftes Fahrgefühl kritisiert.
Der Nachfolger soll deshalb stärker auf die Grundlagen eines Arcade-Rennspiels konzentriert werden: unmittelbare Steuerung, spürbares Fahrzeuggewicht, intensive Zweikämpfe und eine Welt, die regelmäßig interessante Situationen erzeugt.
Heartbreak City wirkt auf den ersten Bildern bereits deutlich dichter bebaut. Neben Gebäuden und Verkehr sind zahlreiche zerstörbare Objekte zu sehen, die bei Kollisionen über die Fahrbahn geschleudert werden.
Fahrzeuge sollen sich schwer und körperlich anfühlen
When Tides Turn nennt ein physisches Fahrgefühl als einen der wichtigsten Entwicklungsschwerpunkte. Die Fahrzeuge sollen trotz der klaren Arcade-Ausrichtung ein nachvollziehbares Gewicht besitzen.
Bei Zusammenstößen sollen Karosserien sichtbar reagieren, Fahrzeuge ihre Linie verlieren und Hindernisse mit erheblicher Wucht durchbrochen werden. Dadurch sollen Takedowns nicht wie vorgefertigte Animationen wirken, sondern aus dem tatsächlichen Rennverlauf entstehen.
Die ersten Bilder zeigen sowohl klassische amerikanische Muscle-Cars als auch moderne Sportwagen. Beschädigte Karosserieteile, aufgerissene Türen und sichtbare Verformungen deuten erneut auf ein umfangreicheres Schadensmodell hin.
Wie stark Schäden das Fahrverhalten beeinflussen und ob Fahrzeuge vollständig zerstört werden können, wurde noch nicht näher erläutert.
Zahlreiche Eventtypen bestätigt
Heartbreak City bietet verschiedene Renn- und Kampfveranstaltungen. Neben klassischen Rennen kehrt der aus vergleichbaren Arcade-Racern bekannte Road-Rage-Modus zurück.
Dort steht nicht die Platzierung im Vordergrund. Spieler müssen innerhalb eines bestimmten Zeitraums möglichst viele gegnerische Fahrzeuge ausschalten.
In „Marked Man“ wird ein bestimmter Fahrer zum Ziel des gesamten Feldes. Verfolgungsmissionen drehen das Prinzip um und verlangen eine erfolgreiche Flucht vor mehreren Verfolgern.
Hinzu kommen Blackspots, Wreckonings und Eliminator-Rennen. Beim Eliminator scheidet regelmäßig der letztplatzierte Fahrer aus, bis nur noch ein Fahrzeug übrig bleibt.
Die unterschiedlichen Eventtypen sollen direkt innerhalb der offenen Welt entdeckt und gestartet werden können.
Live Mix lässt Spieler eigene Herausforderungen erstellen
Auch die kreativen Werkzeuge des Vorgängers bleiben erhalten. Über das Live-Mix-System können Spieler eigene Herausforderungen und Events erstellen und anschließend mit der Community teilen.
Welche Objekte und Regeln zur Verfügung stehen, wurde noch nicht vollständig vorgestellt. Denkbar sind individuell platzierte Checkpoints, Rampen, Hindernisse und Fahrzeugklassen.
Der Community-Aspekt soll stärker in die eigentliche Spielwelt integriert werden. Spieler können dadurch nicht nur vorgefertigte Rennen absolvieren, sondern Heartbreak City regelmäßig mit neuen Herausforderungen erweitern.
Für die langfristige Motivation könnte dieses System entscheidend sein. Eine aktive Community kann auch nach Abschluss der regulären Events kontinuierlich neue Inhalte bereitstellen.
Neues Studio mit umfangreicher Arcade-Erfahrung
When Tides Turn ist aus dem Team von Three Fields Entertainment hervorgegangen. Das Studio wird von Fiona Sperry geleitet, die zuvor als Mitgründerin von Criterion Games an mehreren einflussreichen Arcade-Rennspielen beteiligt war.
Zum Team gehören Entwickler mit Erfahrung aus mehr als 30 veröffentlichten Spielen. Rund 20 davon stammen laut Studio aus dem Arcade-Racing-Bereich.
Dazu zählen Arbeiten an „Burnout“, „Need for Speed: Hot Pursuit“, „Need for Speed: Most Wanted“, „Dangerous Driving“ und dem ersten „Wreckreation“.
Das Studio hat sich zum Ziel gesetzt, ein unabhängiger Spezialist für Arcade-Rennspiele zu werden. „Wreckreation 2“ soll dabei stärker gemeinsam mit der Community entwickelt werden als der Vorgänger.
Selbstveröffentlichung statt THQ Nordic
Der erste Teil wurde von THQ Nordic veröffentlicht. „Wreckreation 2“ wird dagegen von When Tides Turn selbst vertrieben.
Das Studio erhielt finanzielle Unterstützung über ein britisches Förderprogramm und sucht zusätzlich nach weiteren Investoren und Finanzierungspartnern.
Die Selbstveröffentlichung bietet größere kreative Freiheit, bringt jedoch auch zusätzliche Risiken mit sich. Marketing, Qualitätssicherung, Plattformfreigaben und der weltweite Vertrieb müssen nun stärker vom vergleichsweise kleinen Team organisiert werden.
Die frühe Vorstellung könnte deshalb auch dazu dienen, neue Partner zu gewinnen und eine Community rund um das Projekt aufzubauen.
PC und aktuelle Konsolen bestätigt
„Wreckreation 2“ erscheint für PC über Steam sowie für PlayStation 5 und Xbox Series X|S.
Ältere Konsolen und Nintendo-Systeme wurden nicht angekündigt. Auf Steam ist bereits plattformübergreifender Multiplayer als Funktion aufgeführt.
Welche Konsolen tatsächlich gemeinsam spielen können und ob auch Fortschritte zwischen den Plattformen übertragen werden, ist noch nicht bekannt.
Die PC-Systemanforderungen stehen ebenfalls noch nicht fest. Prozessor, Arbeitsspeicher und Grafikkarte werden auf der Steam-Seite bislang lediglich als noch nicht festgelegt aufgeführt.
Fachliche Einordnung
„Wreckreation 2“ besitzt das Potenzial, mehrere Schwächen des Vorgängers gezielt zu korrigieren. Die neue Stadt wirkt dichter, die Spielstruktur konzentriert sich stärker auf Rennen und Takedowns, und die Entwickler sprechen offen darüber, das Fahrgefühl gemeinsam mit der Community verbessern zu wollen.
Besonders vielversprechend ist die klare Rückbesinnung auf aggressive Arcade-Rennen. Der Markt bietet derzeit zahlreiche realistische Rennsimulationen und große Open-World-Fahrspiele, aber nur wenige Titel, bei denen spektakuläre Fahrzeugkämpfe den eigentlichen Mittelpunkt bilden.
Die Erfahrung ehemaliger Criterion-Entwickler sorgt für hohe Erwartungen. Diese allein garantiert jedoch noch keinen modernen „Burnout“-Nachfolger. Entscheidend wird sein, ob Handling, Gegnerverhalten und Kollisionsphysik tatsächlich präzise genug ineinandergreifen.
Auch das Live-Mix-System muss einfacher zugänglich und stärker in den Spielablauf eingebunden werden als beim Vorgänger. Ein umfangreicher Editor besitzt nur dann langfristigen Wert, wenn ausreichend Spieler eigene Inhalte erstellen und diese leicht auffindbar sind.
Da sich „Wreckreation 2“ noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet, sollten die ersten Szenen nicht als finale Darstellung verstanden werden. Die grundlegende Richtung ist jedoch klar: Heartbreak City soll ein kompakterer, dichterer und deutlich aggressiverer Arcade-Rennspielplatz werden.