Mit The Blood of Dawnwalker liefert Rebel Wolves ein düsteres Action-Rollenspiel ab, das vor allem mit seiner Geschichte, seiner Atmosphäre und der gelungenen Mischung aus Mensch und Vampir überzeugt. Gleichzeitig zeigt sich aber auch, dass nicht jede spielerische Idee mit derselben Konsequenz umgesetzt wurde.
Vor allem das Questdesign wiederholt sich für unseren Geschmack zu häufig. Auch das Zeitsystem sorgt zwar für interessante Entscheidungen, greift aber teilweise unnötig stark in die Charakterentwicklung ein.
Am Ende bleibt ein sehr gutes Rollenspiel mit einer herausragenden Geschichte, dessen größte Schwächen ausgerechnet dort liegen, wo man sich spielerisch mehr Vielfalt gewünscht hätte.
Eine Geschichte, die uns nicht mehr loslässt
Die größte Stärke von The Blood of Dawnwalker ist für uns eindeutig die Story.
Schon relativ früh schafft es das Spiel, einen starken Spannungsbogen aufzubauen. Wir wollten regelmäßig wissen, wie sich die Handlung weiterentwickelt, welche Folgen unsere Entscheidungen haben und wie sich die Konflikte rund um Coen und die Vampirherrschaft zuspitzen.
Dabei funktioniert die Geschichte nicht nur als Rahmen für die eigentlichen Spielmechaniken. Sie ist vielmehr der wichtigste Motor des gesamten Abenteuers.
Charaktere, Dialoge und die düstere Atmosphäre greifen gut ineinander und sorgen dafür, dass wir uns tatsächlich für die Ereignisse in dieser Welt interessieren.
Gerade hier merkt man, wo die größte Stärke von Rebel Wolves liegt. Selbst wenn sich manche spielerischen Aufgaben wiederholen, wollten wir aufgrund der Geschichte trotzdem weiterspielen.
Für uns gehört die Handlung deshalb klar zu den besten Elementen des Spiels.
Mensch und Vampir funktionieren hervorragend zusammen
Ebenfalls sehr gelungen ist die Verbindung aus menschlicher und vampirischer Seite von Coen.
Beide Spielweisen fühlen sich ausreichend unterschiedlich an und sorgen regelmäßig für Abwechslung. Je nach Tageszeit und Situation verändern sich sowohl unsere Möglichkeiten im Kampf als auch bei der Fortbewegung.
Besonders nachts kommt die Vampirfantasie gut zur Geltung. Coen wirkt deutlich mächtiger und übernatürlicher, ohne dass sich die menschliche Seite dadurch überflüssig anfühlt.
Gerade diese Balance gefällt uns sehr gut.
Der Wechsel zwischen Mensch und Vampir fühlt sich nicht wie ein bloßer Gimmick an, sondern ist tatsächlich ein zentraler Bestandteil des Gameplays.
Für uns gehört diese Dualität zu den stärksten spielerischen Ideen von The Blood of Dawnwalker.
Das Kampfsystem macht Spaß, verliert aber an Herausforderung
Zu Beginn benötigt das Kampfsystem etwas Eingewöhnung.
Gerade Steuerung, Paraden und das Zusammenspiel der unterschiedlichen Fähigkeiten wirken in den ersten Stunden noch anspruchsvoller. Sobald man sich jedoch an die Mechaniken gewöhnt hat, entwickelt sich ein angenehm direktes Spielgefühl.
Mit zunehmender Spielzeit wird allerdings ein anderes Problem sichtbar.
Je besser wir die Steuerung beherrschten und je mehr Fähigkeiten wir freischalteten, desto leichter wurden viele Kämpfe.
Das liegt weniger daran, dass die grundlegenden Mechaniken zu simpel wären. Vielmehr wächst die Stärke des Charakters schneller, als die spielerische Herausforderung mithalten kann.
Nach mehreren Stunden hatten wir deshalb zunehmend das Gefühl, den Gegnern spielerisch deutlich voraus zu sein.
Das Kampfsystem bleibt unterhaltsam, allerdings hätten wir uns gerade im späteren Verlauf anspruchsvollere Gegner, stärkere Variationen und komplexere Kampfsituationen gewünscht.
Das Zeitsystem ist spannend – und gleichzeitig frustrierend
Das begrenzte Zeitbudget gehört zu den interessantesten Ideen des Spiels.
Wir müssen regelmäßig überlegen, welche Aufgaben wir priorisieren möchten. Welche Quest erledigen wir zuerst? Welche Nebenhandlung ist uns wichtig? Wollen wir zusätzliche Zeit investieren oder lieber direkt mit der Hauptgeschichte weitermachen?
Diese Entscheidungen geben dem Spiel eine eigene Dynamik und verhindern zumindest teilweise, dass man einfach gedankenlos jeden Kartenmarker abarbeitet.
So weit funktioniert das System gut.
Problematisch wird es für uns allerdings bei der Charakterentwicklung.
Dass selbst das Freischalten beziehungsweise Ausbauen von Fähigkeiten wertvolle Zeitsegmente kostet, empfinden wir als unnötig.
Dadurch entsteht ständig die Frage, ob wir unseren Charakter verbessern oder das entsprechende Segment lieber für eine Quest verwenden.
Natürlich erzeugt auch das eine Entscheidung. Für uns ist es allerdings keine besonders befriedigende.
Charakterentwicklung sollte sich wie eine Belohnung anfühlen und nicht wie etwas, bei dem wir jedes Mal überlegen müssen, ob wir dafür gerade wertvolle Spielzeit opfern möchten.
Zusätzlich können Fähigkeitspunkte nicht jederzeit ausgegeben werden. Dafür müssen bestimmte Schnellreisepunkte aufgesucht werden.
Auch diese Einschränkung macht das System unnötig umständlich.
Die Grundidee des Zeitmanagements gefällt uns. Die direkte Verknüpfung mit der Charakterentwicklung dagegen deutlich weniger.
Das Questdesign wird schnell vorhersehbar
Unsere größte Kritik betrifft das Questdesign.
The Blood of Dawnwalker erzählt interessante Geschichten, aber spielerisch folgen viele Aufgaben einem sehr ähnlichen Ablauf.
Nach unserer Erfahrung besteht ein erheblicher Teil der Missionen daraus, zu einem bestimmten Lager zu gelangen, dort die Gegner auszuschalten und anschließend das Blutlager zu zerstören.
Natürlich ändern sich Umgebung, Gegner oder narrativer Kontext.
Am eigentlichen Ablauf verändert sich allerdings häufig erstaunlich wenig.
Dadurch stellt sich irgendwann eine deutliche Routine ein.
Gerade weil die Story so stark ist und die Welt grundsätzlich viel Potenzial bietet, fällt diese Wiederholung besonders negativ auf.
Wir hätten uns deutlich mehr unterschiedliche Missionsstrukturen gewünscht.
Ermittlungen, komplexere Rätsel, stärkere Nutzung der Vampirfähigkeiten, alternative Lösungswege oder Quests, die stärker auf Dialoge und Konsequenzen setzen, hätten hier für deutlich mehr Abwechslung sorgen können.
Stattdessen wussten wir bei manchen Aufgaben bereits relativ früh, wie die nächsten Minuten ungefähr ablaufen würden.
Das ist für uns die größte verpasste Chance des Spiels.
Eine schöne Open World, aber kein neuer Genre-Maßstab
Vale Sangora funktioniert hervorragend als Kulisse.
Die Welt ist düster, atmosphärisch und passt hervorragend zur Vampirthematik.
Besonders Beleuchtung, Tageszeiten und die insgesamt bedrückende Stimmung sorgen dafür, dass sich die Welt glaubwürdig anfühlt.
Als Open World bleibt sie für uns jedoch hinter den besten Genrevertretern zurück.
Bei The Witcher 3 hatten wir deutlich häufiger das Gefühl, dass hinter beinahe jeder Ecke eine interessante Begegnung, Geschichte oder Entdeckung warten könnte.
Auch Crimson Desert bietet für uns eine wesentlich abwechslungsreichere und spannendere offene Welt.
Bei The Blood of Dawnwalker fehlt dieses permanente Gefühl der Neugier.
Wir erkunden die Welt gerne, aber meistens, weil uns eine Quest dorthin führt – nicht unbedingt, weil wir ständig wissen möchten, was hinter dem nächsten Hügel wartet.
Das macht die Spielwelt keineswegs schlecht.
Sie erfüllt ihren Zweck hervorragend und trägt viel zur Atmosphäre bei. Sie ist für uns allerdings nicht das Highlight, das die Story oder die Mensch-Vampir-Mechanik darstellen.
Technisch auf unserem System ohne Probleme
Auf unserem Testsystem hatten wir technisch kaum Grund zur Kritik.
Mit einer GeForce RTX 4090 und einem Ryzen-9-Prozessor lief The Blood of Dawnwalker während unserer Testzeit ohne nennenswerte Probleme.
Wir konnten keine gravierenden Ruckler, Abstürze oder sonstigen technischen Schwierigkeiten feststellen, die unseren Spielfluss beeinträchtigt hätten.
Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass es sich um ein sehr leistungsfähiges System handelt.
Unsere Erfahrung lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres auf schwächere Hardware übertragen.
Für unseren eigenen Test gilt dennoch klar: Die Technik war auf unserem System kein relevanter Kritikpunkt.
Grafik und Atmosphäre überzeugen
Optisch hinterlässt The Blood of Dawnwalker einen starken Eindruck.
Dabei überzeugt das Spiel für uns weniger über reine technische Effekte als durch seine gesamte Präsentation.
Die düstere Farbgebung, die Beleuchtung und die mittelalterlich geprägten Umgebungen passen hervorragend zur Geschichte.
Gerade bei Nacht funktioniert die Atmosphäre ausgezeichnet.
Die Spielwelt wirkt bedrohlicher, Coens vampirische Seite kommt stärker zur Geltung und viele Schauplätze entwickeln eine ganz andere Wirkung als am Tag.
Grafisch gehört The Blood of Dawnwalker vielleicht nicht in jedem Detail zur absoluten Referenzklasse, aber die Art Direction funktioniert ausgesprochen gut.
PRO
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Herausragende und spannende Geschichte
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Gelungene Charaktere und Atmosphäre
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Mensch- und Vampirspielweise ergänzen sich hervorragend
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Unterhaltsames Kampfsystem
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Interessante Grundidee beim Zeitsystem
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Starke visuelle Atmosphäre
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Auf unserem Testsystem technisch problemlos
CONTRA
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Viele Quests folgen demselben Grundmuster
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Kampfsystem wird im Verlauf deutlich einfacher
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Zeitkosten für das Freischalten von Fähigkeiten nerven
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Fähigkeitspunkte nur an bestimmten Schnellreisepunkten einsetzbar
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Open World bietet zu wenig echte Entdeckungsmomente
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Gegner und Missionssituationen könnten abwechslungsreicher sein
Fazit
The Blood of Dawnwalker ist für uns ein sehr gutes Action-Rollenspiel, das seine größten Stärken vor allem in der Geschichte, der Atmosphäre und der Mensch-Vampir-Mechanik besitzt.
Die Story ist spannend, hervorragend inszeniert und motiviert uns über viele Stunden hinweg.
Auch der Wechsel zwischen menschlicher und vampirischer Seite funktioniert sehr gut und gehört zu den interessantesten Ideen des Spiels.
Das Kampfsystem macht ebenfalls Spaß, verliert mit zunehmender Spielerfahrung und stärker werdenden Fähigkeiten allerdings deutlich an Herausforderung.
Beim Zeitsystem sind wir zwiegespalten. Die grundsätzliche Idee gefällt uns und sorgt tatsächlich dafür, dass wir über unsere nächsten Schritte nachdenken müssen.
Dass jedoch selbst das Freischalten von Fähigkeiten wertvolle Zeit verbraucht, empfinden wir als unnötige Einschränkung. Gleiches gilt für die Tatsache, dass Fähigkeitspunkte nur an bestimmten Schnellreisepunkten ausgegeben werden können.
Die größte Schwäche ist jedoch das repetitive Questdesign.
Zu viele Aufgaben folgen demselben Muster aus Lager aufsuchen, Gegner ausschalten und Blutlager zerstören. Gerade angesichts der starken Story hätten wir uns hier wesentlich mehr spielerische Abwechslung gewünscht.
Auch die offene Welt selbst bleibt für uns hinter Größen wie The Witcher 3 oder Crimson Desert zurück. Sie ist atmosphärisch und solide gestaltet, erzeugt aber deutlich seltener dieses besondere Gefühl, einfach losziehen und ständig etwas Neues entdecken zu wollen.
Trotzdem überwiegen die positiven Eindrücke klar.
The Blood of Dawnwalker ist für uns ein starkes Vampir-Rollenspiel mit einer herausragenden Geschichte und einer gelungenen spielerischen Identität. Mit abwechslungsreicheren Quests, einer etwas besseren Progression und anspruchsvolleren Kämpfen hätte Rebel Wolves allerdings noch deutlich näher an die absolute Genre-Spitze heranrücken können.