Ein Bild auf dem Bildschirm ist in wenigen Sekunden erstellt – doch daraus ein echtes Kunstwerk aus Holz oder Acryl zu bauen, bedeutet bislang einiges an Handarbeit. Genau das könnte sich ändern. Ein neues Forschungsprojekt zeigt, wie künstliche Intelligenz Bilder analysiert und daraus mehrere fertigungstaugliche Ebenen für den Lasercutter vorbereitet.
Wer schon einmal ein mehrschichtiges Wandbild mit dem Lasercutter gebaut hat, kennt das Problem: Ein schönes Motiv allein reicht nicht. Das Bild muss in einzelne Ebenen zerlegt werden, verdeckte Bereiche müssen ergänzt und anschließend muss geprüft werden, ob sich die Konstruktion überhaupt sinnvoll fertigen und zusammensetzen lässt.
FabDreamer soll aus Bildern echte Objekte machen
Genau hier setzt FabDreamer an. Das von Forschern entwickelte System beschäftigt sich mit der Frage, wie sich digitale Bilder mithilfe künstlicher Intelligenz möglichst einfach in physische Objekte verwandeln lassen.
Besonders interessant ist der Ansatz für sogenannte Layered-Art-Projekte. Statt sämtliche Konturen und Ebenen manuell in einer Grafiksoftware aufzubauen, analysiert das System zunächst das Ausgangsbild und zerlegt es in verschiedene Tiefenebenen.
Aus einem einzigen Motiv können dadurch mehrere übereinanderliegende Elemente entstehen. Diese lassen sich anschließend beispielsweise aus Sperrholz, MDF, Karton oder – abhängig vom verwendeten Lasersystem – Acryl schneiden und später wieder zu einem dreidimensional wirkenden Gesamtbild zusammensetzen.
KI übernimmt nicht einfach das komplette Design
Spannend ist dabei vor allem, dass FabDreamer den Maker nicht vollständig aus dem kreativen Prozess entfernen soll. Die KI übernimmt zunächst einen großen Teil der aufwendigen Zerlegung. Anschließend kann das Design weiterbearbeitet und über eine dreidimensionale Vorschau kontrolliert werden.
Vor dem Export prüft das System außerdem die strukturelle Umsetzbarkeit des Entwurfs. Das ist gerade bei komplizierten Motiven wichtig. Eine auf dem Bildschirm perfekt aussehende Ebene kann schließlich sehr dünne oder voneinander getrennte Bereiche besitzen, die sich in der Werkstatt kaum sinnvoll schneiden oder zusammensetzen lassen.
Vom KI-Bild direkt zum Lasercutter
Damit zeichnet sich ein besonders interessanter Maker-Trend ab: Generative KI könnte künftig nicht mehr nur Bilder für Instagram, Poster oder Webseiten erzeugen, sondern direkt am Anfang eines realen Fertigungsprozesses stehen.
Man könnte beispielsweise ein Fantasy-Motiv mit einer Burg generieren und daraus mehrere Tiefenebenen erstellen. Der Himmel bildet die hinterste Ebene, davor folgen Berge und Landschaft, anschließend die Burg und ganz vorne Bäume oder andere Details.
Nach dem Laserschneiden werden die einzelnen Elemente lackiert, gebeizt oder naturbelassen und anschließend übereinander montiert. Durch kleine Abstandshalter zwischen den Ebenen lässt sich die Tiefenwirkung noch deutlich verstärken.
Besonders spektakulär wird das Ganze mit einer indirekten LED-Beleuchtung hinter einzelnen Layern. Aus einem normalen Wandbild entsteht so eine Mischung aus Relief, Lightbox und Dekoration.
Halloween ist dafür der perfekte nächste Schritt
Auch saisonal kommt diese Entwicklung zur richtigen Zeit. Bis Halloween sind es nur noch wenige Wochen – und gerade mehrschichtige Motive eignen sich hervorragend für düstere Dekorationen.
Ein verlassenes Spukhaus vor einem riesigen Mond wäre beispielsweise ein ideales Projekt. Der Mond bildet die hinterste Ebene und wird mit warmweißen LEDs beleuchtet. Davor folgen Wolken, kahle Bäume, Grabsteine und schließlich das Spukhaus als Vordergrund.
Alternativ lassen sich Kürbisse, Fledermäuse, Hexen, Geister oder komplette Miniatur-Dioramen umsetzen. Wer früh beginnt, könnte aus einem einzigen Grunddesign sogar mehrere Varianten für Halloween entwickeln.
Auch personalisierte Produkte werden interessanter
Die Technik ist aber nicht nur für private Maker spannend. Mehrschichtige Wandbilder gehören zu den Projekten, die sich hervorragend personalisieren lassen. Namen, Haustiere, Hochzeitsdaten, Stadt-Silhouetten, Gaming-Motive oder Familienporträts könnten individuell gestaltet und anschließend gefertigt werden.
Damit könnten solche KI-gestützten Workflows langfristig auch für kleine Etsy-Shops und Maker interessant werden. Gerade die bislang zeitaufwendige Vorbereitung eines Motivs ist schließlich einer der Faktoren, der echte Einzelanfertigungen teuer macht.
Der Maker bestimmt weiterhin das Ergebnis
Vollautomatisch wird die Werkstatt deshalb trotzdem nicht. Welches Material verwendet wird, wie groß ein Objekt werden darf, welche Stege notwendig sind oder welche Schnittparameter funktionieren, hängt weiterhin stark vom jeweiligen Lasercutter und der Erfahrung des Makers ab.
Genau darin liegt aber der interessante Ansatz: Die KI ersetzt nicht den eigentlichen Maker, sondern könnte einen der aufwendigsten Schritte zwischen einer kreativen Idee und der fertigen Datei deutlich vereinfachen.
Ein Vorgeschmack auf die Maker-Werkstatt der Zukunft
FabDreamer ist derzeit vor allem ein Forschungsprojekt und noch kein gewöhnliches Werkzeug, das man einfach als Alternative zu etablierten Laserprogrammen installieren sollte. Die dahinterstehende Idee ist jedoch ausgesprochen spannend.
Bildgeneratoren haben bereits verändert, wie schnell sich visuelle Ideen ausprobieren lassen. Wenn der nächste Schritt darin besteht, solche Entwürfe automatisch für Lasercutter, CNC-Fräsen, Plotter oder andere Fertigungsverfahren aufzubereiten, könnte sich auch die Arbeit in kleinen Maker-Werkstätten grundlegend verändern.
Die spannendste Entwicklung wäre dabei vielleicht gar nicht der vollautomatische Lasercutter. Viel interessanter ist eine Werkstatt, in der zwischen der ersten verrückten Idee und einem tatsächlich baubaren Prototyp nur noch wenige Minuten liegen.