Bambu Lab hat innerhalb weniger Jahre ordentlich Bewegung in den 3D-Druckmarkt gebracht. Nun nimmt das Unternehmen offenbar die nächste große Produktkategorie ins Visier. Bambu Lab hat bestätigt, an einem UV-Drucker für den Consumer-Bereich zu arbeiten. Damit könnte ausgerechnet einer der bekanntesten Hersteller moderner FDM-3D-Drucker künftig gegen Anbieter wie xTool, eufyMake und Longer antreten.

Die Entwicklung kommt nicht völlig überraschend. Bambu Lab hat sein ursprüngliches 3D-Druck-Ökosystem in den vergangenen Jahren zunehmend erweitert. Spätestens mit Maschinen wie dem H2D und dessen zusätzlichen Fertigungsmöglichkeiten wurde deutlich, dass sich das Unternehmen langfristig nicht ausschließlich als klassischer 3D-Drucker-Hersteller versteht. Der geplante UV-Drucker könnte nun ein weiterer wichtiger Baustein dieser Strategie werden.

Bambu Lab arbeitet offiziell an einem UV-Drucker

Gegenüber All3DP bestätigte Bambu Lab die Entwicklung eines UV-Druckers für den Consumer-Bereich. Nadia Yaakoubi, Head of PR & Communications bei Bambu Lab, ordnete das Projekt dabei in eine größere Strategie ein. Langfristig möchte das Unternehmen einen persönlichen Fertigungs-Hub schaffen, bei dem unterschiedliche Herstellungsverfahren für Maker und Kreative möglichst einfach zugänglich werden.

Dabei sollte der kommende UV-Drucker nicht mit einem klassischen Resin-3D-Drucker verwechselt werden. Nach dem derzeit bekannten Stand geht es um UV-Inkjet-Druck, bei dem spezielle Tinte auf die Oberfläche eines Gegenstands aufgebracht und unmittelbar mit UV-Licht ausgehärtet wird. Dadurch lassen sich zahlreiche Materialien direkt mit farbigen Grafiken, Logos, Mustern oder Beschriftungen versehen.

Je nach Aufbau des fertigen Geräts könnten beispielsweise Holz, Acryl, Metall, Kunststoff oder Glas zu den möglichen Materialien gehören. Gerade für personalisierte Produkte, Schilder, Dekorationen, Gehäuse, kleine Serien und andere Maker-Projekte ist diese Technik interessant.

Der Desktop-UV-Druck wird immer interessanter

UV-Druck war lange Zeit vor allem im professionellen Bereich zu finden und entsprechend kostspielig. Mittlerweile versuchen jedoch immer mehr Hersteller, die Technik kompakter und einfacher zugänglich zu machen. Geräte von eufyMake, xTool und Longer zeigen bereits, in welche Richtung sich der Markt bewegt. Genau hier könnte Bambu Lab für zusätzliche Konkurrenz sorgen.

Dabei dürfte weniger die grundsätzliche UV-Drucktechnik darüber entscheiden, wie interessant das kommende Gerät wird. Viel spannender ist die Frage, ob Bambu Lab das Erfolgsrezept seiner 3D-Drucker übertragen kann. Ein wesentlicher Grund für den Erfolg des Herstellers liegt schließlich darin, komplizierte Arbeitsschritte zu automatisieren und Hard- und Software eng miteinander zu verzahnen.

Genau davon könnte der UV-Druck profitieren. Farbmanagement, Positionierung des Werkstücks, Druckhöhe, Reinigung und Wartung gehören zu den Punkten, die einen UV-Drucker im Alltag deutlich anspruchsvoller machen können als einen normalen Papierdrucker. Sollte Bambu Lab hier einen ähnlich unkomplizierten Workflow wie bei seinen aktuellen 3D-Druckern schaffen, könnte das Gerät insbesondere für Einsteiger interessant werden.

Stellenanzeigen geben Hinweise auf eine umfangreiche Entwicklung

Zusätzliche Hinweise liefern Berichte über Recruiting-Aktivitäten von Bambu Lab. Das Unternehmen soll unter anderem Fachkräfte aus Bereichen wie Inkjet-Technologie, Druckkopfansteuerung, Tintenzuführung, Farbmanagement, Bildverarbeitung und Softwareentwicklung suchen beziehungsweise gesucht haben. Das spricht dafür, dass hinter dem Projekt deutlich mehr steckt als lediglich ein zugekauftes Gerät, das anschließend mit einem Bambu-Logo versehen wird.

Welche Technik letztendlich im fertigen Produkt landet, ist allerdings noch offen. Gerade hier kursieren bereits zahlreiche Spekulationen. Funktionen wie automatische Objekterkennung, Kamerapositionierung, automatische Höhenmessung, Weißdruck, Klarlack, Reliefdruck oder ein Rotationsmodul wären für ein modernes Desktop-UV-System interessant, sind von Bambu Lab bislang aber nicht offiziell als Ausstattung bestätigt worden.

Preis und technische Daten bleiben noch geheim

Wer bereits auf konkrete technische Daten hofft, muss sich deshalb noch gedulden. Bambu Lab hat bislang weder die Druckfläche noch Auflösung, Druckkopf, Tintensystem oder Geschwindigkeit des Geräts genannt. Auch ein offizieller Produktname ist derzeit nicht bekannt.

Dasselbe gilt für Preis und Erscheinungstermin. Eine Einordnung anhand aktueller Konkurrenten ist zwar möglich, daraus lässt sich jedoch kein seriöser Verkaufspreis für das Bambu-Modell ableiten. Entscheidend dürfte unter anderem sein, welche Funktionen Bambu integriert und ob das Unternehmen bei Verbrauchsmaterialien auf ein eigenes Tintensystem setzt.

Noch spannender: Arbeitet Bambu auch an echtem Vollfarb-3D-Druck?

Parallel zum bestätigten Desktop-UV-Drucker gibt es Hinweise auf ein noch ambitionierteres Thema. Berichte aus China bringen Bambu Lab mit Forschungsarbeiten rund um UV-Inkjet-Technologie und Photopolymerisation in Verbindung. Langfristig könnte eine solche Technik für echten Vollfarb-3D-Druck interessant werden.

Hier ist allerdings eine klare Trennung notwendig: Ein solches Vollfarb-3D-Drucksystem wurde von Bambu Lab bislang nicht offiziell angekündigt. Es sollte deshalb nicht mit dem bestätigten Consumer-UV-Drucker gleichgesetzt werden. Während ein klassischer UV-Drucker vorhandene Gegenstände bedruckt, würde ein entsprechendes Vollfarbverfahren die Farbinformation bereits während der Herstellung eines dreidimensionalen Objekts erzeugen.

Sollte Bambu Lab tatsächlich langfristig in diese Richtung gehen, wäre das für den Consumer-Markt besonders interessant. Statt Modelle aus einigen unterschiedlich gefärbten Filamenten zusammenzusetzen, könnten irgendwann wesentlich feinere Farbverläufe und komplexere Oberflächen möglich werden. Momentan bleibt dieser Teil der Geschichte jedoch Zukunftsmusik.

Bambu Lab könnte den UV-Druckmarkt ordentlich aufmischen

Die bestätigte Entwicklung allein dürfte dennoch für Aufmerksamkeit in der Maker-Branche sorgen. Bambu Lab hat bereits beim FDM-3D-Druck gezeigt, wie schnell sich ein Markt verändern kann, wenn Automatisierung, Software und Hardware konsequent miteinander verbunden werden. Genau dieses Prinzip könnte auch beim UV-Druck funktionieren.

Besonders interessant wäre das für Nutzer, die bereits mit mehreren digitalen Fertigungsverfahren arbeiten. Ein Bauteil könnte beispielsweise zunächst mit einem 3D-Drucker hergestellt und anschließend mit einem UV-Drucker hochauflösend beschriftet oder farbig gestaltet werden. Zusammen mit Laser- und Schneidetechnik würde daraus tatsächlich immer stärker eine komplette digitale Werkstatt.

Noch fehlen allerdings die Informationen, die darüber entscheiden werden, ob Bambu Lab auch in diesem Bereich einen Volltreffer landet. Preis, Druckfläche, Tintenkosten, Wartungsaufwand und Software werden mindestens ebenso wichtig wie die reine Druckqualität. Fest steht mittlerweile aber: Bambu Lab meint es mit dem UV-Druck ernst. Sobald das Unternehmen sein erstes Modell vollständig enthüllt, dürfte der ohnehin schnell wachsende Desktop-UV-Markt um einen äußerst interessanten Konkurrenten reicher werden.