Nach Jahren auf Autopilot einmal kurz den Kurs verlieren, um ironischerweise genau dadurch an einem besseren Ort zu landen: Davon erzählt Makkos neue Single „Inundauswendig“. Auf einem Floß irgendwo zwischen dem, was war, und dem, was als Nächstes kommen könnte, treibt Makko übers offene Meer. Ohne Landkarte, ohne große Ansagen, aber mit dem Urvertrauen in sich selbst, dass bald glücksverheißendes Neuland am Horizont auftauchen wird. „Ich weiß jetzt endlich, wer ich bin“, heißt es dann auch da, und trotzdem kommt diese Erkenntnis weniger als großer Erweckungsmoment daher, sondern vielmehr in klassischer Makko Nonchalance mit einem lässigem Schulterzucken. Vielleicht muss man eben nicht immer wissen, wohin man fährt, solange man irgendwann aufhört, sich selbst hinterherzufahren und stattdessen traut, jemand Neues zu werden. 

Zwischen Selbstzweifel und der leisen Ahnung, dass irgendwo da draußen etwas Unbekanntes wartet, geht es in „Inundauswendig“ also um einen Neuanfang, der aber nicht nach Motivationsposter klingt. Eher nach: Augen zu, treiben lassen und schauen, was passiert. „Menschen machen Fehler, aber Fehler machen menschlich“ – ein Satz, der ziemlich genau Makkos Haltung trifft: Nicht alles muss glattgehen, nicht jeder Umweg braucht im Nachhinein eine Rechtfertigung. Auch die eigenen Abstürze dürfen Teil der Geschichte sein. Vielleicht liegt sogar genau darin die Freiheit, irgendwann festzustellen: Ich bin nicht trotz meiner Fehler hier, sondern auch wegen ihnen. 

„High on life, ich hab Kette geraucht / Leben ohne Rausch, ja das hätt’ ich gebraucht“ – wer weiß, ob diese Zeile ein Zwinkern Richtung Kollabopartner ist, denn produziert wurde die Single von niemand Geringerem als den amerikanischen Star-Produzenten und Grammy Preisträgern The Chainsmokers. Die wiederum sind schon seit Jahren Fans von Makko. Nachdem sie seinen Song „Nachts wach“ gehört hatten, wollten sie unbedingt mit ihm zusammenarbeiten – und hielten diesen Wunsch tatsächlich vier Jahre lang am Leben. Als man sich schließlich in Los Angeles im Studio traf, war es dann endlich so weit. Für einen deutschen Artist ist diese Kollaboration durchaus ein kleiner Coup: The Chainsmokers gehören mit ihren 52 Millionen Hörer:innen zu den erfolgreichsten elektronischen Acts der Welt und haben mit Songs wie „Closer“ oder „Don’t Let Me Down“ ziemlich genau den 2010-er Nostalgie-Sound groß gemacht, der gerade überall gefeiert wird. EDM powered by bisschen Herzschmerz und bisschen Herzrasen – eben dieses spezielle 2016-Gefühl, dem wir alle seit zehn Jahren hinterher jagen. Ihre elektronische Handschrift gibt Makkos gewohnt unangestrengtem Vibe eine neue, fast schwebende Dimension, die ein bisschen an The XX, aber vor allem an Sommer, lauer Wind im leicht vom Schweiß verfilzten Haar und Eiswürfelklimpern im Becher erinnert und ein Leben im Umbruch zelebriert. 

Das ist vermutlich die schönste Message von „Inundauswendig“: Dass man auch ohne festen Boden unter den Füßen plötzlich wieder Bock auf das haben kann, was hinter dem Horizont liegt. Kein „Sky is the limit“, kein „Du kannst alles schaffen“, kein glatt gebügeltes Manifest. Nur ein bisschen Unsicherheit, ein bisschen Seegang und dieser kleine Funken Vorfreude, der aufkommt, wenn man noch nicht ganz genau weiß, was kommt, aber zum ersten Mal seit Langem glasklar sieht und gespannt darauf ist, was man da durch die vom Salzwasser, Schweiß oder auch mal Tränen verklebten Wimpern erblickt.