Ein Roboter, der wie eine kleine Ente aussieht, auf zwei Beinen durch die Wohnung watschelt und nach einem Sturz selbstständig wieder aufsteht? Was zunächst nach einem ungewöhnlichen Technikspielzeug klingt, ist tatsächlich eine Entwicklungsplattform für künstliche Intelligenz. Mit dem Microduck hat Pollen Robotics, das inzwischen zu Hugging Face gehört, einen kompakten Roboter vorgestellt, der sich nicht nur fernsteuern lässt, sondern auch neue Bewegungsabläufe erlernen kann. Der Einstiegspreis liegt bei 399 US-Dollar.
Kleine Roboter-Ente mit erstaunlich vielen Möglichkeiten
Mit einer Höhe von gerade einmal 25 Zentimetern und einem Gewicht von weniger als 800 Gramm gehört der Microduck zu den kleineren Vertretern seiner Art. Sein auffälliges Design mit zwei Beinen, beweglichem Kopf und einem Greifschnabel verleiht ihm einen fast schon lebendigen Charakter. Hinter der niedlichen Erscheinung steckt allerdings eine durchaus anspruchsvolle technische Konstruktion.
Insgesamt 15 Motoren ermöglichen unterschiedliche Bewegungen. Der Microduck kann laufen, sich hinsetzen, in die Hocke gehen und nach bestimmten Stürzen wieder aufstehen. Sogar Rollschuhfahren gehört zu seinen Fähigkeiten. Mit seinem beweglichen Schnabel kann er außerdem kleinere Gegenstände aufnehmen und transportieren.
Sieben vortrainierte Bewegungsabläufe stehen bereits zur Verfügung. Damit Käufer nicht erst programmieren müssen, um den Roboter auszuprobieren, gehört ein Gamecontroller zum Lieferumfang. Über diesen lassen sich verschiedene Aktionen direkt auslösen.
Kamera, LiDAR und Sensoren für die Orientierung
Auch bei der technischen Ausstattung hat Pollen Robotics mehr untergebracht, als die kompakten Abmessungen zunächst vermuten lassen. Eine Frontkamera und ein LiDAR-basierter Abstandssensor liefern Informationen über die Umgebung. Zwei sogenannte Inertialsensoren (IMUs) erfassen Bewegungen und Lageveränderungen, damit der Roboter beispielsweise sein Gleichgewicht kontrollieren kann.
Für die Verarbeitung kommt ein Rockchip-RK3566-Prozessor mit KI-Beschleunigung zum Einsatz. Hinzu kommen 1 GB Arbeitsspeicher und 32 GB Speicherplatz. Mikrofone, Lautsprecher sowie WLAN und Bluetooth erweitern die Möglichkeiten für Interaktionen.
Die Energieversorgung übernimmt ein herausnehmbarer Akku mit 2.600 mAh. Je nach Nutzung soll damit eine Laufzeit von ungefähr einer Stunde möglich sein. Gerade bei intensiven Bewegungsexperimenten dürfte sich ein zusätzlicher Akku anbieten.
Open Source: Microduck soll neue Bewegungen lernen
Besonders interessant wird der Microduck durch seine offene Softwareplattform. Pollen Robotics stellt die Steuerungssoftware, Entwicklungswerkzeuge und die Umgebung zum Trainieren neuer Bewegungen öffentlich zur Verfügung.
Entwickler können den Roboter zunächst in einer virtuellen Simulation bewegen und neue Verhaltensweisen ausprobieren. Dafür kommt unter anderem die Physiksimulation MuJoCo zum Einsatz. Mithilfe von Reinforcement Learning, einer Trainingsmethode, bei der ein KI-System durch Rückmeldungen aus seinen Aktionen lernt, lassen sich Bewegungsabläufe schrittweise verbessern.
Die trainierten Abläufe können anschließend auf den echten Microduck übertragen werden. Dadurch eröffnet sich ein breites Experimentierfeld, das von einfachen Laufbewegungen bis zu komplexeren Interaktionen mit Gegenständen reicht.
Allerdings bedeutet Open Source hier nicht, dass sämtliche Konstruktionsdaten des Roboters frei verfügbar sind. Die offene Lizenz bezieht sich auf die Software und die zugehörigen Entwicklungswerkzeuge.
Kein gewöhnliches Spielzeug
Anders als klassische Roboter-Spielzeuge richtet sich der Microduck vor allem an technikinteressierte Nutzer, Entwickler, Bildungseinrichtungen und Menschen, die sich mit Robotik beschäftigen möchten. Zwar lassen sich die mitgelieferten Bewegungen ohne Programmierkenntnisse ausprobieren, das eigentliche Potenzial steckt jedoch in den Möglichkeiten zur individuellen Weiterentwicklung.
Damit verfolgt Pollen Robotics einen anderen Ansatz als bei seinem Desktop-Roboter Reachy Mini. Während dort vor allem die Interaktion zwischen Mensch und Maschine im Vordergrund steht, beschäftigt sich der Microduck stärker mit Bewegung, Gleichgewicht und dem Training künstlicher Intelligenz.
Gerade diese Kombination macht ihn interessant: Ein vergleichsweise kleiner Roboter ermöglicht Experimente, für die bislang häufig deutlich größere und teurere Plattformen benötigt wurden.
Preis und Verfügbarkeit
Der Microduck wurde bereits am 27. August 2026 vorgestellt und kann seitdem vorbestellt werden. Der internationale Einführungspreis beträgt 399 US-Dollar vor Steuern und Versandkosten. Im europäischen Herstellershop wird derzeit ein Betrag von 340 Euro angezeigt; die endgültigen Kosten für deutsche Käufer sollten vor der Bestellung einschließlich Steuern und Versand geprüft werden.
Zur Auswahl stehen vier Farbvarianten: Cream, Graphite, Lavender und Sky. Die ersten Auslieferungen wurden ursprünglich für die Zeit vor Weihnachten 2026 angekündigt. Aufgrund der Nachfrage können sich die Lieferzeiten für neue Bestellungen allerdings verlängern.
Ein spannender Einstieg in die Welt der KI-Robotik
Mit dem Microduck zeigt Pollen Robotics, dass interessante Robotik nicht zwangsläufig große Maschinen oder ein umfangreiches Labor voraussetzt. Der kleine Zweibeiner verbindet eine ungewöhnliche Optik mit vielseitiger Sensorik, zahlreichen Bewegungsmöglichkeiten und einer offenen Softwareplattform.
Ob der Microduck im Alltag ebenso zuverlässig funktioniert, wie es die Demonstrationen des Herstellers vermuten lassen, muss ein Praxistest zeigen. Besonders spannend wären dabei die Stabilität beim Laufen, die tatsächliche Akkulaufzeit und die Frage, wie aufwendig das Training eigener Bewegungsabläufe ausfällt.
Für Robotik-Enthusiasten und Entwickler könnte der Microduck jedenfalls eine interessante Möglichkeit sein, sich mit physischer künstlicher Intelligenz zu beschäftigen, ohne direkt in wesentlich größere Roboter investieren zu