Bei Sportkopfhörern geht es längst nicht mehr nur um Klang. Sie sollen beim Laufen nicht verrutschen, nach mehreren Stunden nicht drücken und gleichzeitig möglichst wenig von der Umgebung abschirmen. Genau an dieser Stelle setzt Shokz mit der zweiten Generation seiner OpenFit Air an.

Die neuen Shokz OpenFit Air 2 wiegen nur noch 7,2 Gramm pro Ohrhörer und sind damit laut Hersteller die bislang leichtesten Open-Ear-Kopfhörer mit Ohrbügel im eigenen Portfolio.

Trotz des geringeren Gewichts verspricht Shokz einen kräftigeren Bass, bis zu 36 Stunden Gesamtlaufzeit, Bluetooth 6.1 und einen verbesserten Schutz gegen Schweiß und Regen.

In Deutschland starten die OpenFit Air 2 für 139 Euro.

Nur noch 7,2 Gramm pro Ohr

Der wichtigste Unterschied zur ersten Generation lässt sich tatsächlich auf der Waage erkennen.

Ein einzelner OpenFit Air wiegt 8,7 Gramm. Beim neuen OpenFit Air 2 sind es nur noch 7,2 Gramm.

Eine Differenz von 1,5 Gramm klingt zunächst nicht besonders spektakulär. Bei einem Gerät, das mehrere Stunden direkt am Ohr hängt und sich beim Laufen permanent mitbewegt, kann jedes eingesparte Gramm allerdings einen Unterschied machen.

Shokz hat dafür nicht einfach nur Material entfernt. Das Innenleben wurde neu angeordnet und der Ohrbügel überarbeitet.

Zum Einsatz kommt ein lediglich 0,75 Millimeter dünner Bügel aus einer Nickel-Titan-Legierung, der gleichzeitig flexibel und formstabil bleiben soll.

Gerade bei längeren Läufen, Fahrradtouren oder Trainingseinheiten dürfte der Tragekomfort deshalb einer der interessantesten Punkte für einen Praxistest werden.

Open Ear statt abgeschotteter Gehörgang

Das Grundprinzip bleibt unverändert.

Die OpenFit Air 2 sitzen nicht im Gehörgang. Der Lautsprecher befindet sich unmittelbar davor und überträgt den Ton per Luftleitung.

Dadurch bleiben Umgebungsgeräusche weiterhin hörbar.

Beim Joggen können beispielsweise Fahrzeuge, Fahrräder oder andere Personen wahrgenommen werden, ohne dafür einen elektronischen Transparenzmodus aktivieren zu müssen.

Auch im Büro kann das Konzept sinnvoll sein, wenn Musik laufen soll, Gespräche in der unmittelbaren Umgebung aber weiterhin mitbekommen werden sollen.

Der Nachteil liegt ebenfalls auf der Hand: Eine vollständige Abschirmung von Außengeräuschen gibt es konstruktionsbedingt nicht.

Wer im Flugzeug oder Zug möglichst wenig von seiner Umgebung hören möchte, gehört deshalb nicht unbedingt zur Zielgruppe.

OpenBass 2.0 soll mehr Tiefton liefern

Bass gehört zu den schwierigsten Disziplinen offener Kopfhörer.

Weil der Gehörgang nicht abgedichtet wird, kann der tieffrequente Schalldruck leichter entweichen. Shokz versucht das bei der zweiten Generation mit OpenBass 2.0 auszugleichen.

Der verwendete dynamische Treiber besitzt eine ungewöhnliche Konstruktion und soll trotz des kompakteren Gehäuses mehr Druck im Tiefton erzeugen.

Zusätzlich arbeitet Shokz mit DirectPitch, um den Schall möglichst gezielt in Richtung Gehörgang zu lenken.

Das soll gleichzeitig ein weiteres typisches Problem offener Kopfhörer reduzieren: Sound Leakage.

Denn je weniger Musik seitlich abgestrahlt wird, desto weniger bekommen Menschen in unmittelbarer Umgebung davon mit.

Ob OpenBass 2.0 tatsächlich einen hörbaren Schritt gegenüber dem bisherigen OpenFit Air macht, wäre für einen Vergleichstest deutlich interessanter als ein isolierter Klangtest.

Acht Stunden pro Ladung

Mit einer vollständigen Akkuladung sollen die OpenFit Air 2 bis zu acht Stunden Musik wiedergeben.

Das Ladecase erhöht die Gesamtlaufzeit auf bis zu 36 Stunden.

Wer vor dem Training feststellt, dass der Akku fast leer ist, soll ebenfalls relativ schnell wieder loslegen können. Eine zehnminütige Schnellladung ermöglicht laut Hersteller bis zu drei Stunden Wiedergabe.

Die Werte stammen aus Labormessungen von Shokz und sind keine Messungen von Daily-Media.net.

Gerade bei höherer Lautstärke und häufigen Telefonaten dürfte deshalb interessant werden, wie nah die OpenFit Air 2 im Alltag tatsächlich an die angegebenen acht Stunden herankommen.

Bluetooth 6.1 und zwei Geräte gleichzeitig

Bei der Funktechnik setzt Shokz auf Bluetooth 6.1.

Unterstützt werden die Audiocodecs AAC und SBC.

High-End-Codecs wie LDAC oder aptX Adaptive gehören damit nicht zur Ausstattung. Bei einem auf Sport und Alltag ausgerichteten Open-Ear-Modell dürfte eine stabile Verbindung allerdings ohnehin wichtiger sein als maximale Bluetooth-Datenrate.

Praktisch ist das Multipoint-Pairing.

Dadurch können die OpenFit Air 2 gleichzeitig mit zwei Geräten verbunden bleiben. Wer beispielsweise am Notebook arbeitet und anschließend einen Anruf auf dem Smartphone erhält, muss die Kopfhörer nicht jedes Mal neu koppeln.

Fast Pair und Microsoft Swift Pair sollen die erstmalige Verbindung zusätzlich vereinfachen.

Druckempfindliche Tasten statt empfindlicher Touchflächen

Shokz hat außerdem die Bedienung überarbeitet.

Die OpenFit Air 2 verwenden druckempfindliche Tasten.

Das klingt zunächst unspektakulär, kann beim Sport aber einen praktischen Vorteil haben. Klassische Touchflächen reagieren gelegentlich auf Regentropfen, Schweiß, Haare oder eine versehentliche Berührung beim Nachjustieren des Ohrhörers.

Die neuen Tasten sollen Fehleingaben reduzieren.

Über die Shokz-App können verschiedene Funktionen und EQ-Einstellungen angepasst werden.

Zwei Mikrofone und KI gegen Umgebungslärm

Telefonieren soll mit den OpenFit Air 2 ebenfalls besser funktionieren.

Shokz verwendet ein Dual-Mikrofonsystem in Kombination mit einer KI-gestützten Geräuschreduzierung.

Der Algorithmus soll die Stimme hervorheben und störende Umgebungsgeräusche reduzieren.

Gerade bei einem Sportkopfhörer wäre ein Test draußen besonders interessant.

Wind, Straßenverkehr und Stimmen anderer Personen gehören zu den Situationen, in denen sich schnell zeigt, wie gut ein Mikrofonsystem wirklich arbeitet.

IP55 statt Angst vor Schweiß und Regen

Die Ohrhörer sind nach IP55 geschützt.

Damit sind sie gegen Staub sowie Strahlwasser geschützt und entsprechend für schweißtreibendes Training und Regen ausgelegt.

Schwimmen sollte man mit ihnen trotzdem nicht.

Wichtig ist außerdem: Die IP55-Zertifizierung gilt für die Ohrhörer und nicht für das Ladecase.

OpenFit Air 2 gegen OpenFit Air

Der Vorgänger bleibt weiterhin interessant.

Die bisherigen OpenFit Air kosten im deutschen Shokz-Shop aktuell 109 Euro und sind damit 30 Euro günstiger.

Dafür wiegen sie 8,7 statt 7,2 Gramm pro Ohrhörer und erreichen zusammen mit dem Ladecase bis zu 28 statt 36 Stunden Wiedergabe.

Damit stellt sich eine interessante Kaufentscheidung:

Reichen die günstigeren OpenFit Air – oder sind geringeres Gewicht, längere Laufzeit und die überarbeitete Audiotechnik des OpenFit Air 2 die zusätzlichen 30 Euro wert?

Genau dieser Vergleich wäre für einen späteren Test besonders sinnvoll.

Konkurrenz bekommt Shokz inzwischen reichlich

Open-Ear-Kopfhörer sind längst keine Nische mehr.

Bose, Huawei und inzwischen auch Sennheiser bieten eigene Konzepte an.

Dabei unterscheiden sich die Ansätze teilweise deutlich.

Clip-Systeme sitzen direkt an der Ohrmuschel, während Shokz beim OpenFit Air 2 weiterhin auf einen klassischen Ohrbügel setzt.

Für Sport kann das ein Vorteil sein, weil der Kopfhörer zusätzlich hinter dem Ohr gehalten wird. Gleichzeitig muss sich zeigen, wie angenehm der Bügel zusammen mit einer Brille oder Sonnenbrille funktioniert.

Preis und Deutschland-Verfügbarkeit

Die Shokz OpenFit Air 2 kosten in Deutschland 139 Euro inklusive Mehrwertsteuer.

Der Produktstart erfolgt am 24. August 2026.

Im deutschen Handel werden unter anderem Varianten in Black und Ice Blue geführt. Die Auslieferung wird beispielsweise bei MediaMarkt ab dem 29. August angegeben.

Redaktionelle Einordnung

Die OpenFit Air 2 wirken auf dem Papier weniger wie eine komplette Neuerfindung und mehr wie eine gezielte Weiterentwicklung eines bereits sinnvollen Konzepts.

Gerade das geringere Gewicht könnte wichtiger sein, als es das Datenblatt vermuten lässt.

Bei Sportkopfhörern entscheidet schließlich nicht allein die Klangqualität. Wenn ein Modell nach zwei Stunden am Ohr stört oder beim Laufen ständig korrigiert werden muss, helfen auch die besten Treiber wenig.

Gleichzeitig muss Shokz zeigen, ob OpenBass 2.0 den typischen Klangkompromiss offener Kopfhörer weiter reduzieren kann.