Smartphone-Kameras werden Jahr für Jahr besser, eine klassische Actioncam ersetzen sie trotzdem nur bedingt. Das Problem ist weniger die Bildqualität als die Bauform: Ein Smartphone lässt sich beim Mountainbiken, Klettern oder Skifahren eben nicht einfach dort befestigen, wo normalerweise eine GoPro oder kleine Insta360 sitzt. RugOne versucht dieses Problem mit dem neuen Xsnap 7 Pro auf eine ungewöhnliche Weise zu lösen.

Im Kamerablock des robusten Smartphones steckt eine kleine Actioncam, die sich aus dem Gehäuse herausnehmen und separat verwenden lässt. Das Smartphone dient anschließend als drahtloser Sucher und Fernbedienung. Nach einer ersten Vorschau auf dem MWC 2026 bringt RugOne das Konzept nun in die Serienreife. Auf der IFA in Berlin wurde das Xsnap 7 Pro offiziell gestartet; der Kickstarter-Verkauf beginnt am 7. September 2026 für 799 Euro. Für den regulären europäischen Handel wird derzeit ein Preis von rund 1.099,99 Euro genannt.

Die Kamera kommt einfach aus dem Smartphone heraus

Das zentrale Merkmal des Xsnap 7 Pro sitzt direkt auf der Rückseite. Eine der Kameras befindet sich in einem eigenen magnetisch befestigten Modul und kann vollständig aus dem Smartphone gelöst werden.

Anschließend funktioniert das kleine Kameramodul unabhängig weiter. Es lässt sich beispielsweise an Kleidung, Helm, Rucksack oder anderem Zubehör befestigen und für POV-Aufnahmen einsetzen.

Damit verfolgt RugOne einen anderen Ansatz als klassische Kamera-Smartphones. Statt immer größere Sensoren und Objektive in das Telefon einzubauen, lässt sich ein Teil des Kamerasystems einfach mitnehmen.

Nur 39 Gramm für die Actioncam

Das herausnehmbare Modul wiegt lediglich rund 39 Gramm. Damit fällt es deutlich leichter aus als viele klassische Actioncams.

Genau darin liegt der eigentliche Reiz des Systems. Das Smartphone bleibt in der Tasche oder am Fahrradhalter, während nur das kleine Kameramodul getragen wird.

Das Telefon übernimmt anschließend die Rolle des großen Kontrollbildschirms.

Bis zu 50 Meter drahtlose Vorschau

Über die hauseigene Xsnap-Go-App verbindet sich die Kamera drahtlos mit dem Smartphone.

RugOne nennt unter günstigen Bedingungen eine Reichweite von bis zu 50 Metern. Auf dem 6,67 Zoll großen Display können Aufnahme und Bildausschnitt dadurch aus der Entfernung kontrolliert werden.

Gerade beim Befestigen der Kamera an einem Fahrrad, Fahrzeug oder weiter entfernten Punkt wäre das deutlich komfortabler als ein winziger Bildschirm direkt an der Actioncam.

2,7K statt 4K

Bei der maximalen Videoauflösung muss das innovative Konzept allerdings einen ersten Kompromiss eingehen.

Das abnehmbare Modul zeichnet maximal mit 2,7K bei 30 Bildern pro Sekunde auf. Zusätzlich stehen 1.440p und 1.080p mit jeweils 30 Bildern pro Sekunde zur Verfügung.

Damit liegt die reine Videospezifikation hinter aktuellen Spezialisten von DJI oder Insta360, bei denen 4K mit höheren Bildraten längst üblich ist.

Ob das in der Praxis wirklich problematisch ist, hängt allerdings stark von Sensorqualität, Bitrate und Stabilisierung ab. Genau das müsste ein ausführlicher Test klären.

133 Grad Sichtfeld

Die Actioncam besitzt ein 133 Grad breites Sichtfeld. Das Objektiv arbeitet mit einer Blende von f/2.4 und entspricht laut Hersteller ungefähr 14 Millimetern im Kleinbildformat.

Eine automatische Verzerrungskorrektur soll dabei verhindern, dass das typische sehr starke Weitwinkelbild Personen oder gerade Linien unnötig verformt.

SteadyX und Horizon Lock

Für bewegte Aufnahmen setzt RugOne auf die eigene SteadyX-Stabilisierung.

Zusätzlich gibt es einen 360-Grad-Horizon-Lock. Die Software soll dadurch den Horizont auch dann gerade halten, wenn sich das Kameramodul während der Aufnahme dreht.

Für Mountainbike-, Lauf- oder Fahrradaufnahmen dürfte diese Funktion wichtiger sein als eine möglichst hohe Fotoauflösung.

Die Kamera zeichnet bereits vor dem Drücken auf

Eine weitere praktische Funktion ist das sogenannte Pre-Recording.

Die Kamera kann kontinuierlich einen kurzen Zwischenspeicher führen und beim eigentlichen Start der Aufnahme bis zu 30 Sekunden vor dem Tastendruck sichern.

Wer beispielsweise einen Sprung, ein Tier oder eine unerwartete Situation zu spät bemerkt, könnte dadurch trotzdem noch den Anfang der Szene im Video haben.

64 GB Speicher direkt in der Kamera

Das Kameramodul besitzt 64 GB eigenen Speicher.

Aufnahmen müssen deshalb nicht permanent zum Smartphone übertragen werden. Anschließend können Fotos und Videos drahtlos auf den internen Speicher des Telefons kopiert und dort bearbeitet werden.

Das Smartphone selbst verfügt über 512 GB Speicher.

40 Minuten ohne Smartphone

Der integrierte Akku der Actioncam ermöglicht laut RugOne ungefähr 40 Minuten Aufnahmezeit pro Ladung.

Interessant wird das Konzept allerdings durch das Smartphone selbst. Wird die Kamera wieder eingesteckt, lädt sie über den großen Telefonakku auf.

RugOne spricht von bis zu 20 vollständigen Nachladungen und daraus abgeleitet insgesamt bis zu 800 Minuten möglicher Aufnahmezeit.

Diese 800 Minuten sind deshalb nicht die Laufzeit der Kamera am Stück, sondern eine theoretische Gesamtdauer über wiederholte Ladezyklen.

In rund 35 Minuten wieder voll

Das Kameramodul benötigt laut Hersteller ungefähr 35 Minuten für eine vollständige Ladung.

Das funktioniert sowohl über das Smartphone als auch über eine separate Ladestation.

Bis zu fünf Meter wasserdicht

Für eine Actioncam besonders wichtig: Das herausnehmbare Modul benötigt für einfache Unterwasseraufnahmen kein zusätzliches Gehäuse.

RugOne gibt eine Wasserdichtigkeit bis zu einer Tiefe von fünf Metern an.

Das Smartphone selbst ist nach IP68 und IP69K geschützt und wurde laut Hersteller für maximal zwei Meter Wassertiefe über einen Zeitraum von bis zu 30 Minuten getestet.

Das Smartphone selbst ist ein ziemlicher Brocken

Wer das Xsnap 7 Pro kauft, bekommt allerdings kein schlankes Lifestyle-Smartphone.

Das Gehäuse misst ungefähr 172,5 × 83,4 × 19,1 Millimeter und wiegt satte 477 Gramm.

Damit ist das Gerät deutlich schwerer und dicker als typische aktuelle Smartphones. Für die angepeilte Outdoor-Zielgruppe dürfte das weniger problematisch sein, im normalen Alltag wird man das Gewicht aber definitiv bemerken.

6,67 Zoll AMOLED mit 120 Hz

Auf der Vorderseite sitzt ein 6,67 Zoll großes AMOLED-Display mit einer Auflösung von 2.712 × 1.220 Pixeln.

Die Bildwiederholrate beträgt 120 Hz.

Für die Spitzenhelligkeit nennt RugOne bis zu 1.700 Nits, im High-Brightness-Modus sollen bis zu 1.200 Nits erreicht werden.

Geschützt wird das Panel durch Corning Gorilla Glass Victus.

MediaTek Dimensity 8400

Beim Prozessor setzt RugOne auf den MediaTek Dimensity 8400.

Der Achtkern-Chip erreicht bis zu 3,25 GHz und wird von einer Mali-G720-MC7-GPU sowie MediaTeks NPU 880 begleitet.

Damit positioniert sich das Gerät leistungsmäßig deutlich oberhalb vieler klassischer Rugged-Smartphones, die häufig mit deutlich schwächeren SoCs ausgestattet sind.

12 GB LPDDR5X und 512 GB UFS 4.0

Das Xsnap 7 Pro erscheint mit 12 GB LPDDR5X-Arbeitsspeicher und 512 GB UFS-4.0-Speicher.

Virtuell lässt sich der Arbeitsspeicher zusätzlich erweitern. Für Apps und Videodateien sollte die feste Ausstattung aber bereits ausreichend dimensioniert sein.

9.300-mAh-Akku

Das finale Serienmodell besitzt einen 9.300-mAh-Akku.

Frühere Vorserieninformationen sprachen noch von 9.000 mAh. Die aktuelle offizielle Produktseite nennt inzwischen eindeutig 9.300 mAh typische beziehungsweise 9.200 mAh nominelle Kapazität.

Damit verfügt das Smartphone über fast doppelt so viel Kapazität wie viele aktuelle Premiumgeräte.

45 Watt per Kabel und 50 Watt kabellos

Kabelgebunden unterstützt das Xsnap 7 Pro 45-Watt-PD-Schnellladen.

Überraschender ist die drahtlose Ladeleistung: RugOne gibt bis zu 50 Watt Wireless Charging an.

Zusätzlich ist Reverse Wireless Charging mit bis zu zehn Watt vorgesehen.

50-MP-Hauptkamera mit OIS

Neben dem herausnehmbaren Actioncam-Modul besitzt das Telefon eine normale 50-MP-Hauptkamera mit optischer Bildstabilisierung.

RugOne verwendet dafür einen Samsung-GN9-Sensor mit einer Blende von f/1.88.

Die Hauptkamera kann Videos mit bis zu 4K und 60 Bildern pro Sekunde aufnehmen.

Kurioserweise bietet die fest eingebaute Smartphonekamera damit eine höhere maximale Videoauflösung als das herausnehmbare Actioncam-Modul.

64-MP-Nachtsichtkamera mit Infrarot

Zusätzlich gibt es eine 64-Megapixel-Nachtsichtkamera.

Sie arbeitet mit Infrarot-LEDs und soll dadurch auch bei völliger Dunkelheit Bilder aufnehmen können, ohne sichtbares Blitzlicht einzusetzen.

Für Outdoor-Nutzer könnte das beispielsweise beim Beobachten von Tieren oder bei Arbeiten in unbeleuchteten Bereichen interessant sein.

32 Megapixel auf der Vorderseite

Die Selfiekamera löst mit 32 Megapixeln auf und sitzt als Punch-Hole direkt im Display.

Sie unterstützt Videoaufnahmen bis 2K bei 30 Bildern pro Sekunde.

eSIM und zwei physische SIM-Karten

Beim Mobilfunk bietet das Xsnap 7 Pro ungewöhnlich viel Flexibilität.

Neben zwei Nano-SIM-Karten wird eine integrierte eSIM unterstützt. Wird die eSIM verwendet, steht allerdings der zweite physische SIM-Slot nicht gleichzeitig zur Verfügung.

5G gehört selbstverständlich ebenfalls zur Ausstattung.

Wi-Fi 6E und Bluetooth 5.4

Das Smartphone unterstützt WLAN im 2,4-, 5- und 6-GHz-Bereich sowie Bluetooth 5.4.

NFC und Google Pay sind ebenfalls vorgesehen.

Android 16 zum Start

Ausgeliefert wird das Xsnap 7 Pro mit Android 16.

RugOne kündigt darüber hinaus langfristige Systemupdates bis Android 20 sowie regelmäßige Sicherheitsupdates an.

Wie schnell diese Updates nach der jeweiligen Google-Veröffentlichung erscheinen werden, lässt sich zum Marktstart naturgemäß noch nicht beurteilen.

Zwei Farben

Zur Auswahl stehen Black und Sand Dune.

Gerade die helle Sand-Dune-Variante hebt sich optisch deutlich von den meist schwarzen oder orangefarbenen klassischen Rugged-Smartphones ab.

799 Euro zum Kickstarter-Start

Am 7. September 2026 beginnt die Kickstarter-Kampagne.

Für frühe Käufer wird ein Einstiegspreis von 799 Euro genannt.

Der Preis gilt allerdings für die begrenzte Crowdfunding-Phase und sollte nicht mit der späteren regulären UVP verwechselt werden.

Europäischer Handelspreis liegt deutlich höher

Für den regulären europäischen Verkauf wird derzeit ein Preis von 1.099,99 Euro genannt.

Die breite Markteinführung ist für Oktober vorgesehen. Das Gerät soll dann unter anderem über den eigenen RugOne-Shop sowie Amazon angeboten werden.

Damit bewegt sich das Xsnap 7 Pro preislich bereits im Bereich klassischer Premium-Smartphones.

Einordnung: Die Actioncam ist clever – aber 2,7K sind der größte Kompromiss

Das Xsnap 7 Pro gehört zu den ungewöhnlicheren Smartphone-Neuheiten der IFA 2026. Der Ansatz ergibt tatsächlich Sinn: Wer ohnehin ein Outdoor-Smartphone und eine kleine Actioncam mitnehmen würde, kann beide Geräte miteinander verbinden.

Das Konzept hat allerdings einen offensichtlichen Schwachpunkt. Während aktuelle Spezialkameras bereits 4K mit 60 Bildern pro Sekunde bieten, endet das herausnehmbare RugOne-Modul bei 2,7K und 30 fps.

Das macht die Kamera nicht automatisch schlecht. Für hochwertige Actionaufnahmen sind Stabilisierung, Dynamikumfang und Bildqualität mindestens ebenso wichtig. Bei einem Verkaufspreis von mehr als 1.000 Euro muss sich die Qualität aber entsprechend beweisen.