Mehrfarbiger FDM-Druck hat sich in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt. Systeme mit vier, acht oder noch mehr Filamentfarben gehören inzwischen fast schon zum Alltag ambitionierter Maker. Trotzdem bleibt eine grundlegende Einschränkung: Ein klassischer FDM-Drucker kann nur mit den Farben arbeiten, die tatsächlich als Filament geladen sind.

Das junge Unternehmen FA3D verfolgt mit dem neuen DIO X einen deutlich anderen Ansatz. Der Desktop-3D-Drucker kombiniert klassischen FDM-Druck mit einem UV-Farbmodul. Dadurch soll zunächst ein stabiles Bauteil aus Filament entstehen, dessen Oberfläche anschließend mit UV-härtender Tinte vollfarbig gestaltet wird.

FA3D spricht von mehr als zehn Millionen möglichen Farben und möchte damit insbesondere detaillierte Figuren, Prototypen, Modelle, personalisierte Produkte und Kleinserien ansprechen.

Doch der DIO X soll noch mehr können. Durch seine modulare Konstruktion lassen sich neben FDM- und UV-Modulen auch Laser-, Schneide- und weitere Werkzeuge einsetzen.

FDM liefert die Struktur, UV bringt die Farbe

Das interessanteste Merkmal des DIO X ist eindeutig die Kombination aus FDM- und UV-Druck.

Der eigentliche Körper eines Modells wird zunächst aus normalem Filament aufgebaut. Dabei übernimmt das FDM-Material sowohl die innere Struktur als auch die mechanische Stabilität des Bauteils.

Für die Oberfläche kommt anschließend das UV-System ins Spiel.

FA3D verwendet eine spezielle Außenschicht, die sowohl mit dem Kunststoff als auch mit der UV-Tinte verbunden werden kann. Der UV-Druckkopf muss dadurch nicht das gesamte Objekt erzeugen, sondern lediglich dessen Oberfläche einfärben.

Das könnte beispielsweise bei Figuren einen erheblichen Unterschied gegenüber klassischem Multicolor-FDM machen. Hauttöne, Farbverläufe, kleine Logos, Augen, Muster oder andere Details wären theoretisch nicht mehr auf einige wenige Filamentfarben beschränkt.

Das UV-System arbeitet laut Hersteller mit sechs Farbkanälen und bis zu 1.440 dpi. Kameras sollen gleichzeitig kontrollieren, ob die aufgebrachten Farben korrekt zum gedruckten Objekt ausgerichtet sind.

Wie sauber diese Kombination bei komplexen dreidimensionalen Geometrien tatsächlich funktioniert, gehört allerdings zu den Punkten, die erst ein unabhängiger Praxistest beantworten kann.

Zwei Werkzeugträger und vier FDM-Düsen

Auch das eigentliche FDM-System ist ungewöhnlich aufgebaut.

FA3D bezeichnet die Konstruktion als Dioscuri-3D-Architektur. Der DIO X besitzt zwei unabhängige Werkzeugträger, die unterschiedliche Module aufnehmen können.

Beim klassischen FDM-Betrieb stehen insgesamt bis zu vier Düsen mit vier separaten Extrudermotoren zur Verfügung.

Dadurch können beispielsweise unterschiedliche Filamente oder Materialien miteinander kombiniert werden.

FA3D gibt eine maximale Druckgeschwindigkeit von 800 mm/s an.

Besonders interessant ist der Mechanismus zum Düsenwechsel. Eine Düse kann innerhalb von rund einer Sekunde in die Arbeitsposition gebracht werden. Dabei schwenkt sie gegen einen feststehenden Mechanismus im hinteren Bereich des Druckraums.

Eine Metallabdeckung soll verhindern, dass während des Wechsels austretendes Material auf dem Bauteil landet.

FA3D verspricht dadurch deutlich weniger Purge-Abfall als bei klassischen Filamentwechselsystemen.

Der Hersteller spricht von bis zu 99 Prozent weniger Materialabfall. Diese Zahl ist allerdings eine Herstellerangabe und sollte erst durch unabhängige Tests überprüft werden.

300 × 300 × 300 Millimeter Bauraum

Beim verfügbaren Platz fällt der DIO X großzügig aus.

Der Bauraum misst 300 × 300 × 300 Millimeter.

Damit bietet das Gerät ausreichend Platz für größere Figuren, technische Bauteile, Gehäuse oder mehrere kleinere Objekte gleichzeitig.

Die maximale Düsentemperatur liegt bei 350 °C.

Noch interessanter ist die geschlossene und aktiv temperierte Druckkammer. Diese kann laut FA3D auf bis zu 65 °Cbeheizt werden.

Dadurch sollen neben klassischen Materialien wie PLA und PETG auch anspruchsvollere technische Filamente verarbeitet werden können. FA3D nennt unter anderem PC und PPA.

Gerade für technische Materialien ist eine kontrollierte Bauraumtemperatur wichtig, um Warping und Spannungen im Bauteil zu reduzieren.

Filament trocknen bis 85 °C

Zum Ökosystem gehört außerdem das sogenannte Multi-Material Drying System, kurz MDS.

Die Filamentboxen können Material bei Temperaturen von bis zu 85 °C trocknen.

Sensoren überwachen dabei Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Zusätzlich dreht das System die Filamentrollen während der Trocknung und verfügt über eine automatische Belüftung.

Über einen zusätzlichen FA3D Hub sollen sich bis zu vier MDS-Einheiten mit einem DIO X verbinden lassen.

Das dürfte insbesondere beim Drucken mit technischen und stark hygroskopischen Materialien interessant sein.

Automatischer Auswurf fertiger Bauteile

FA3D möchte den DIO X nicht ausschließlich als Hobbydrucker positionieren.

Optional steht deshalb ein Förderband-Druckbett zur Verfügung.

Nach Abschluss eines Druckauftrags transportiert das System das fertige Bauteil automatisch zur Vorderkante und löst es von der Druckfläche. Anschließend kann der nächste Auftrag aus der Warteschlange beginnen.

Dadurch soll der Drucker mehrere Aufträge nacheinander abarbeiten können, ohne dass jedes fertige Objekt manuell entfernt werden muss.

Für Kleinserien oder personalisierte Produkte könnte genau diese Funktion besonders interessant werden.

UV-System soll sich automatisch reinigen

UV-Tinte bringt allerdings eine Herausforderung mit sich: Wartung.

Trocknet Tinte innerhalb der feinen Düsen ein, kann dies schnell zu Problemen führen.

FA3D integriert deshalb ein automatisches Reinigungssystem.

Nach einem Druckvorgang werden die Düsen eingeweicht, die Tinte wird innerhalb des Systems zirkuliert und anschließend per Unterdruck abgesaugt.

Damit möchte der Hersteller Verstopfungen verhindern und den manuellen Wartungsaufwand reduzieren.

Wie zuverlässig das langfristig funktioniert, dürfte einer der wichtigsten Punkte für einen späteren Test sein.

Gerade bei UV-Systemen sind Verbrauchsmaterialien, Reinigung und Wartung mindestens genauso wichtig wie die reine Druckqualität.

FDM, UV, Laser und Schneiden

Der modulare Ansatz endet nicht beim 3D-Druck.

Die beiden Werkzeugträger sollen unterschiedliche Module aufnehmen können. FA3D zeigt unter anderem folgende Kombinationen:

FDM + UV für vollfarbige 3D-Modelle,

FDM + FDM für klassischen Multi-Material-Druck,

FDM + Laser für kombinierte Fertigungsaufgaben,

Laser + UV für Dekoration und Gravur sowie

Cutting + UV für Schneide- und Farbanwendungen.

Dadurch positioniert sich der DIO X eher als Desktop-Fertigungsplattform denn als klassischer 3D-Drucker.

Allerdings fehlen für die Laser- und Schneidmodule aktuell noch einige wichtige finale technische Angaben. Diese Funktionen würde ich deshalb derzeit eher als angekündigte Erweiterungsmöglichkeiten und nicht als vollständig bewertbare Produkteigenschaften betrachten.

Technische Daten des FA3D DIO X

Verfahren: FDM + optionaler UV-Farbdruck
Architektur: zwei unabhängige Werkzeugträger
FDM-System: bis zu vier Düsen / vier Extrudermotoren
Bauraum: 300 × 300 × 300 mm
Maximale Druckgeschwindigkeit: bis 800 mm/s
Maximale Düsentemperatur: 350 °C
Aktiv temperierte Kammer: bis 65 °C
Materialien: unter anderem PLA, PETG, PC und PPA
UV-System: sechs Farbkanäle
UV-Auflösung: bis 1.440 dpi laut Hersteller
Farben: laut Hersteller mehr als 10 Millionen
Düsenwechsel: rund 1 Sekunde
Filamenttrocknung: bis 85 °C über optionales MDS
Überwachung: Kammer-, Werkzeugkopf- und Kalibrierungskameras
Automatischer Bauteilauswurf: optional über Conveyor-System
Weitere Werkzeuge: Laser-, Schneide- und weitere Module angekündigt
Software: eigene Farb-/Slicing-Lösung von FA3D

Preise: FDM ab 549 Dollar, Vollfarbe ab 1.399 Dollar

Bei den Preisen ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.

Der DIO X befindet sich aktuell noch in der Pre-Launch-Phase. Die genannten Beträge sind deshalb keine deutschen Verkaufspreise.

FA3D bietet momentan eine erstattbare VIP-Reservierung für 50 US-Dollar an.

Für VIP-Reservierer wird das reine FDM Starter Bundle für 549 US-Dollar angekündigt. Die reguläre UVP dieses Pakets soll später bei 899 Dollar liegen.

Für Daily-Media wesentlich interessanter ist das Full-Color Starter Pack.

Dieses umfasst neben den beiden FDM-Werkzeugköpfen unter anderem den UV-Werkzeugkopf und die UV-Tintenstation.

FA3D nennt dafür aktuell:

VIP-Preis: 1.399 US-Dollar

Super Early Bird: 1.599 US-Dollar

geplante UVP: 2.399 US-Dollar

Diese Preise können sich bis zum tatsächlichen Crowdfunding-Start noch ändern.

Eine deutsche beziehungsweise europäische UVP wurde bislang nicht bestätigt. Auch endgültige Versandkosten, mögliche Einfuhrabgaben und die konkreten Konditionen für Deutschland stehen noch nicht fest.

Kickstarter soll im Oktober oder November starten

Der DIO X kann momentan noch nicht regulär bestellt werden.

FA3D bestätigt in seiner aktuellen FAQ, dass die Kickstarter-Kampagne für Oktober oder November 2026 vorgesehen ist. Das genaue Datum wurde noch nicht genannt.

Auch einen verbindlichen Auslieferungstermin gibt es momentan nicht.

Wer aktuell 50 US-Dollar für den VIP-Zugang hinterlegt, kauft also noch keinen Drucker. Die Anzahlung reserviert lediglich bestimmte Rabatt- und Prioritätsvorteile für die spätere Kampagne und ist nach Angaben von FA3D erstattbar.

Ist der DIO X wirklich der erste Vollfarb-FDM-Drucker?

Bei dieser Aussage lohnt sich eine genauere Betrachtung.

FA3D bewirbt den DIO X als weltweit ersten FDM+UV-3D-Drucker.

Die Betonung auf UV ist wichtig.

Vollfarbiger FDM-Druck in Kombination mit Tinte ist nämlich keine völlig neue Idee. Bereits 2017 kombinierte XYZprinting beim da Vinci Color FDM mit Inkjet-Farbtechnik.

Der technische Ansatz des DIO X unterscheidet sich davon jedoch. Hier wird eine FDM-Struktur mit einer anschließend aufgebrachten und UV-gehärteten Farbschicht kombiniert.

Ob der DIO X tatsächlich das weltweit erste kommerzielle Produkt mit genau dieser Kombination ist, lässt sich derzeit nicht mit absoluter Sicherheit bestätigen. Wir würden die entsprechende Formulierung deshalb ausschließlich als Herstellerangabe wiedergeben.

Konkurrenz: HeyGears, Flashforge und eufyMake

Vollfarbdruck entwickelt sich gerade zu einem der interessantesten Bereiche im Desktop-Maker-Markt.

HeyGears verfolgt mit seiner G1-Serie einen anderen Ansatz und kombiniert Resin-Druck mit einem Farbsystem. Flashforge arbeitet beim CJ270 ebenfalls an einer Desktop-Lösung für vollfarbige Modelle.

Auch eufyMake hat mit dem E1 UV-Druck für Maker und kleine Unternehmen deutlich zugänglicher gemacht. Dabei handelt es sich allerdings nicht um einen 3D-Drucker, sondern um einen UV-Drucker für bereits vorhandene Objekte und Materialien.

Der DIO X versucht gewissermaßen, diese Welten zusammenzubringen.

Das Objekt entsteht per FDM und wird anschließend innerhalb desselben Systems farbig gestaltet.

Wenn das zuverlässig funktioniert, wäre das insbesondere für Figuren, Cosplay-Komponenten, Architekturmodelle, personalisierte Produkte und kleine Shops interessant.