E-Reader sind praktisch, aber wirklich hosentaschentauglich sind die meisten Modelle nicht. PocketBook versucht jetzt einen anderen Ansatz. Mit dem neuen PocketBook Q schrumpft der Hersteller das klassische Lesegerät auf ein Format, das eher an ein Smartphone erinnert – inklusive schlankem Gehäuse, schmalem Display und Bedienung mit nur einer Hand.

Der neue PocketBook Q wird auf der IFA 2026 in Berlin erstmals öffentlich gezeigt und soll im vierten Quartal für 199 Euro auf den Markt kommen. Statt Apps, Benachrichtigungen und Social-Media-Feeds konzentriert sich das Gerät vollständig auf E-Books, Hörbücher und digitales Lesen.

5,84 Zoll E Ink Carta 1300 im Smartphone-Format

Das auffälligste Merkmal des PocketBook Q ist sein ungewöhnliches Displayformat. PocketBook verbaut ein 5,84 Zoll großes E Ink Carta 1300 Panel mit einer Auflösung von 788 × 1.576 Pixeln und einer Pixeldichte von 300 dpi. Das Display ist damit deutlich schmaler als die Panels klassischer E-Reader und soll sich ähnlich wie ein Smartphone mit einer Hand halten lassen. Für PocketBook ist das ein interessanter Richtungswechsel. Statt immer größere Bildschirme anzubieten, richtet sich der Q gezielt an Nutzer, die ihr Lesegerät möglichst unkompliziert überallhin mitnehmen möchten.

Physische Tasten für die Einhandbedienung

PocketBook verzichtet trotz des kompakten Formats nicht auf Hardwaretasten. Seitlich am Gehäuse befinden sich physische Blättertasten, über die sich Seiten wechseln lassen, ohne ständig auf dem Display wischen zu müssen. Gerade bei einem Gerät, das bewusst auf Einhandbedienung ausgelegt ist, ergibt das Sinn. Beim Lesen in Bus oder Bahn lässt sich der Reader dadurch bedienen, ohne die zweite Hand einsetzen zu müssen.

SMARTlight passt Helligkeit und Farbtemperatur an

Wie bei vielen aktuellen PocketBook-Modellen gehört auch SMARTlight zur Ausstattung. Damit lässt sich nicht nur die Helligkeit der Frontbeleuchtung regulieren, sondern auch deren Farbtemperatur. Am Abend kann die Beleuchtung wärmer eingestellt werden, während tagsüber ein neutraleres Licht genutzt werden kann. Da E-Ink-Displays selbst keine klassische Hintergrundbeleuchtung benötigen, bleibt die Darstellung grundsätzlich näher an gedrucktem Papier als bei einem Smartphone- oder Tablet-Display.

Spritzwasserschutz nach IPX4

Der PocketBook Q besitzt eine IPX4-Zertifizierung. Damit ist das Gerät gegen Spritzwasser geschützt. Das ist zwar kein vollständiger Wasserschutz wie bei einigen größeren E-Readern mit IPX8, dürfte für den Alltag aber beispielsweise bei leichtem Regen oder kleineren Wasserspritzern ausreichend sein. Für einen Reader, der bewusst unterwegs genutzt werden soll, ist der Schutz dennoch eine sinnvolle Ergänzung.

Hörbücher und Text-to-Speech gehören dazu

Der PocketBook Q beschränkt sich nicht ausschließlich auf klassische E-Books. Auch Hörbücher und weitere Audioformate werden unterstützt. Über Bluetooth lassen sich kabellose Kopfhörer oder Lautsprecher verbinden. Einen klassischen Lautsprecher benötigt das Gerät damit nicht zwingend. Zusätzlich bietet PocketBook wieder seine Text-to-Speech-Funktion an. Unterstützte Textdateien können dadurch vom Gerät vorgelesen werden. Im Alltag kann damit beispielsweise während einer Fahrt vom Lesen zum Hören gewechselt werden, ohne ein separates Hörbuch kaufen zu müssen.

Offenes System statt Zwang an einen einzelnen Shop

Einer der Vorteile von PocketBook bleibt auch beim Q erhalten. Der Hersteller setzt weiterhin auf ein vergleichsweise offenes System und unterstützt zahlreiche E-Book-Formate direkt. Auch Adobe DRM und LCP DRM werden unterstützt. Damit ist der Nutzer weniger stark an einen bestimmten Shop oder Anbieter gebunden als bei stärker geschlossenen Plattformen. Für digitale Bibliotheken ist außerdem die PocketBook-x-Libby-App von OverDrive bereits vorinstalliert.  Über PocketBook Cloud und die PocketBook Reader App lassen sich Bücher, Lesepositionen und Lesezeichen außerdem zwischen kompatiblen Geräten synchronisieren.

Kein Android – und das ist durchaus Absicht

Interessant ist auch das Betriebssystem. PocketBook setzt weiterhin auf ein schlankes Linux-System und nicht auf Android. Damit kann der Q zwar nicht einfach mit beliebigen Apps aus einem App Store erweitert werden, genau das dürfte aber Teil des Konzepts sein. Der Reader soll nicht das nächste Gerät werden, auf dem ständig Nachrichten, Social-Media-Apps und andere Benachrichtigungen um Aufmerksamkeit kämpfen. Im Mittelpunkt steht das Lesen. Gerade für Menschen, die auf dem Smartphone eigentlich ein Buch öffnen wollen und wenige Minuten später doch wieder bei Instagram, TikTok oder Reddit landen, könnte dieser reduzierte Ansatz interessant sein.

Der PocketBook Q ist erstaunlich leicht

Das kompakte Format bringt einen weiteren Vorteil. Nach Angaben aus der aktuellen Produktberichterstattung wiegt der Reader lediglich rund 130 Gramm und misst ungefähr 154 × 75,8 × 6,5 Millimeter. Damit liegt er von den Abmessungen tatsächlich näher an einem Smartphone als an einem klassischen E-Reader. Auch ein 1.550-mAh-Akku wird genannt. Aufgrund des sparsamen E-Ink-Displays soll damit eine sehr lange Laufzeit möglich sein. Diese erweiterten technischen Angaben stammen derzeit allerdings noch nicht aus der heute veröffentlichten deutschen PocketBook-Ankündigung. Für einen späteren vollständigen Test beziehungsweise eine aktualisierte Produktseite sollten sie daher nochmals direkt mit PocketBook abgeglichen werden.

Konkurrenz gibt es – aber kaum im klassischen E-Reader-Markt

Mit seinem ungewöhnlichen Format landet der PocketBook Q in einer kleinen Nische. Amazon Kindle und Tolino setzen weiterhin überwiegend auf klassische E-Reader-Proportionen mit sechs bis sieben Zoll großen Displays. Geräte von Boox oder früher auch Hisense haben zwar bereits E-Ink-Displays in Smartphone-ähnliche Gehäuse gebracht, richten sich teilweise aber stärker an Nutzer, die Apps installieren und das Gerät fast wie ein Android-Smartphone verwenden möchten. PocketBook geht bewusst den entgegengesetzten Weg.

Der Q ist kein Smartphone mit E-Ink-Display, sondern ein echter E-Reader im Smartphone-Format. Genau dieser Unterschied könnte das Gerät interessant machen.

199 Euro sind kein Schnäppchen

Der PocketBook Q soll in Deutschland 199 Euro UVP kosten. Damit ist er trotz seines kleinen Displays nicht besonders günstig. Zum Vergleich: Klassische sechs Zoll große E-Reader sind teilweise deutlich günstiger erhältlich. PocketBook verlangt also keinen kleinen Preis für einen kleinen Reader, sondern positioniert den Q eher als spezialisiertes Premium-Modell. Ob das Konzept aufgeht, dürfte deshalb stark davon abhängen, wie angenehm sich auf dem schmalen Display tatsächlich längere Texte lesen lassen.

Veröffentlichung im vierten Quartal 2026

PocketBook plant den Verkaufsstart für das vierte Quartal 2026. Der Reader erscheint zunächst in Silber und kostet 199 Euro. Bereits vom 4. bis 8. September 2026 kann das Gerät auf der IFA in Berlin ausprobiert werden. PocketBook stellt in Halle 5.2A, Stand 143 aus.

Redaktionelle Einordnung

Der PocketBook Q gehört zu den ungewöhnlicheren E-Reader-Neuheiten der letzten Zeit. Nicht weil PocketBook eine spektakuläre neue Displaytechnologie erfunden hätte, sondern weil der Hersteller eine sehr einfache Frage stellt: Warum muss ein E-Reader eigentlich immer deutlich breiter als ein Smartphone sein? Wer hauptsächlich Romane liest, benötigt schließlich nicht zwangsläufig eine große Seite. Das kleine Format könnte besonders bei täglichen Fahrten zur Arbeit, auf Reisen oder beim Lesen zwischendurch einen echten Vorteil bieten. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, ob die schmale Darstellung bei längeren Texten wirklich angenehm ist oder ob häufigere Seitenwechsel irgendwann stören. Auch der Preis von 199 Euro ist ambitioniert.