Der Markt für Mini-PCs ist in den vergangenen Jahren erheblich spannender geworden. Aus den kleinen Office-Rechnern sind inzwischen Systeme entstanden, die leistungsfähige Notebook-Prozessoren, schnelle integrierte Grafikeinheiten und lokale KI-Beschleunigung auf erstaunlich wenig Raum unterbringen. Genau in diesem Segment will sich jetzt ein neuer Name etablieren.
VZMORE feiert zur IFA 2026 in Berlin seinen öffentlichen Einstand und bringt dafür gleich vier leistungsstarke Mini-PCs mit. Neben dem AX9 Max und AX9 Ultra auf AMD-Basis gehören der iX9 Max und iX9 Ultra mit Intel-Hardware zum angekündigten Portfolio.
Der Schwerpunkt liegt allerdings nicht ausschließlich auf möglichst schnellen Prozessoren. VZMORE will vor allem eines der typischen Probleme kompakter Hochleistungs-PCs angehen: die Kühlung.
Der AX9 Max wird zum Gaming- und KI-Mini-PC
Besonders konkret wird VZMORE bereits beim AX9 Max. Der kompakte Rechner setzt auf AMDs Ryzen AI 9 HX 470 mit Zen-5-Architektur. Der Prozessor bietet zwölf Kerne und 24 Threads und erreicht laut VZMORE bis zu 5,1 GHz.
Für die Grafik ist die integrierte Radeon 890M mit RDNA-3.5-Architektur und 16 Compute Units zuständig. Eine dedizierte Grafikkarte steckt damit zwar nicht im Gehäuse, trotzdem positioniert VZMORE das Gerät ausdrücklich auch für Gaming, Content Creation und anspruchsvollere Grafikaufgaben.
Bis zu 256 GB DDR5-RAM
Beim Arbeitsspeicher fällt der AX9 Max ebenfalls aus dem üblichen Mini-PC-Rahmen. VZMORE gibt eine Unterstützung von bis zu 256 GB DDR5-RAM im Dual-Channel-Betrieb an.
Beim Massenspeicher sollen zwei PCIe-4.0-SSD-Steckplätze insgesamt bis zu 5 TB ermöglichen. Gerade für Content Creation, virtuelle Maschinen oder lokale KI-Anwendungen könnte die hohe mögliche Speicherausstattung interessant werden.
Lokale KI soll eine wichtige Rolle spielen
Die integrierte Ryzen-AI-NPU erreicht laut Hersteller bis zu 55 TOPS. Zusammen mit CPU und GPU spricht VZMORE von einer Gesamtleistung von bis zu 86 TOPS.
Der Hersteller nennt ausdrücklich lokale KI-Modelle und Anwendungen als Einsatzgebiet. Genau hier wäre ein unabhängiger Praxistest interessant. Statt lediglich synthetische NPU-Benchmarks durchlaufen zu lassen, könnte überprüft werden, welche lokalen Sprachmodelle tatsächlich sinnvoll auf dem Mini-PC betrieben werden können und wie sich Geschwindigkeit, Speicherbedarf und Energieverbrauch entwickeln.
V-Cooling soll Leistungseinbrüche verhindern
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal der neuen Geräte soll allerdings die Kühlung werden. Das sogenannte V-Cooling-System verwendet eine großflächige Vapor Chamber in Verbindung mit dicht angeordneten Kühlfinnen und einem Luftstrom, der Frischluft rund um die Unterseite des Gehäuses ansaugt und anschließend durch das System führt.
VZMORE spricht von einer um 40 Prozent größeren Wärmeverteilungsfläche und einer um 50 Prozent höheren Wärmeübertragungseffizienz gegenüber herkömmlichen Dual-Heatpipe-Lösungen. Dabei handelt es sich allerdings um Herstellerangaben und nicht um unabhängige Messergebnisse.
Interessanter ist deshalb die Frage, ob der kleine Rechner seine Leistung tatsächlich über längere Zeit halten kann. Gerade leistungsfähige Mini-PCs können bei dauerhafter CPU- und GPU-Belastung an thermische Grenzen stoßen und anschließend ihre Taktraten reduzieren.
65 Watt und trotzdem nur 38 dB?
Beim AX9 Max kombiniert VZMORE V-Cooling mit seinem V-Boost-Pro-System. Drei Leistungsprofile sind vorgesehen. Im Silent-Modus arbeitet das System mit 45 Watt, im Balanced-Modus mit 54 Watt und im Performance-Modus mit bis zu 65 Watt.
Gleichzeitig bewirbt VZMORE den AX9 Max mit einer Geräuschentwicklung von lediglich 38 dB unter Last. Sollte der Mini-PC tatsächlich dauerhaft eine entsprechend hohe Leistung abführen und dabei in dieser Lautstärkeregion bleiben, wäre das bemerkenswert. Auch hierbei handelt es sich bislang um eine Herstellerangabe, die ein unabhängiger Test erst bestätigen müsste.
AX9 Ultra geht noch einen großen Schritt weiter
Noch interessanter dürfte der VZMORE AX9 Ultra werden. VZMORE kündigt hier AMDs Ryzen AI Max 388 zusammen mit der deutlich leistungsfähigeren Radeon 8060S an.
Mit V-Boost Max soll das System bis zu 120 Watt abrufen können. Damit bewegt sich VZMORE endgültig weg vom klassischen Office-Mini-PC. Der Hersteller nennt ausdrücklich AAA-Gaming, High-End-Content-Creation und lokale KI als mögliche Einsatzgebiete.
Gerade die Radeon 8060S macht den AX9 Ultra für einen zukünftigen Gaming-Test besonders spannend. Vollständige Konfigurationen und regionale Preise dieses Modells stehen allerdings noch aus.
Auch Intel bekommt zwei Modelle
VZMORE setzt nicht ausschließlich auf AMD. Der iX9 Max soll mit einem Intel Core Ultra 9 185H und integrierter Intel-Arc-Grafik erscheinen.
Darüber positioniert der Hersteller den iX9 Ultra. Hier nennt VZMORE einen Intel Core Ultra X9 378H, eine Intel Arc B390 sowie eine NPU mit bis zu 50 TOPS.
Damit entsteht innerhalb der neuen Produktfamilie eine interessante Konstellation. Käufer sollen später zwischen leistungsstarken AMD- und Intel-Plattformen wählen können. Für einen Vergleich wäre insbesondere interessant, wie sich Radeon 8060S und Arc B390 beim Gaming und bei kreativen Anwendungen schlagen.
Viele Anschlüsse beim AX9 Max
Zur bestätigten Ausstattung des AX9 Max gehören unter anderem zweimal USB4 mit 40 Gbit/s, zweimal HDMI 2.1, zweimal 2,5-Gigabit-LAN, SD 4.0 sowie insgesamt fünf USB-A-Anschlüsse.
Bis zu vier Displays sollen gleichzeitig betrieben werden können. VZMORE nennt außerdem Unterstützung für Auflösungen bis 8K. Für drahtlose Verbindungen stehen Wi-Fi 7 und Bluetooth 5.4 bereit. Bei der aktuell gelisteten Konfiguration ist Windows 11 Pro bereits vorinstalliert.
Kompaktes Aluminiumgehäuse
Der AX9 Max verwendet ein Aluminium-Unibody-Gehäuse, während der Boden aus einem für den Luftstrom optimierten Verbundmaterial besteht.
Das Gehäuse misst ungefähr 13,5 × 13,2 × 5,8 Zentimeter und wiegt rund 776 Gramm. Damit bleibt der Rechner trotz der vergleichsweise leistungsfähigen Hardware kompakt genug für einen kleinen Arbeitsplatz oder ein minimalistisches Gaming-Setup.
Beim Preis ist noch Vorsicht angebracht
Auf der internationalen VZMORE-Produktseite wird der AX9 Max mit 32 GB RAM und 1 TB SSD aktuell für 1.499 US-Dollar geführt. Das Gerät ist dort allerdings noch nicht regulär verfügbar.
Gleichzeitig erklärt VZMORE in der offiziellen Ankündigung, dass finale Konfigurationen, Preise und regionale Verfügbarkeiten erst näher zum Marktstart bekanntgegeben werden.
Für Deutschland ist das entscheidend. Einen offiziell bestätigten deutschen Euro-Verkaufspreis gibt es derzeit noch nicht. Der US-Preis sollte deshalb nicht einfach umgerechnet oder als deutsche UVP interpretiert werden.
Weltweiter Marktstart für Oktober geplant
Die vier neuen Mini-PCs sollen nach aktuellem Stand Mitte Oktober 2026 weltweit auf den Markt kommen. Zuvor nutzt VZMORE die IFA in Berlin für seinen großen öffentlichen Auftritt.
Spätestens rund um die Messe dürften deshalb weitere Details zu Konfigurationen, europäischen Preisen und der konkreten Verfügbarkeit in Deutschland folgen.
Redaktionelle Einordnung
VZMORE startet in einem schwierigen Markt. Hersteller wie Minisforum, Beelink und Geekom bieten inzwischen zahlreiche leistungsfähige Mini-PCs an. Einen schnellen AMD- oder Intel-Prozessor in ein kleines Gehäuse zu setzen, reicht deshalb allein kaum noch aus.
Der Ansatz über die Kühlung ist entsprechend interessant. Gerade bei Mini-PCs entscheidet nicht ausschließlich die kurzfristige Spitzenleistung, sondern vielmehr, wie viel davon nach 20, 30 oder 60 Minuten Dauerlast noch vorhanden ist.
Genau hier muss V-Cooling zeigen, ob hinter dem Marketing tatsächlich ein technischer Vorteil steckt.
Der AX9 Max wäre dafür bereits ein interessanter Testkandidat. Noch spannender erscheint allerdings der AX9 Ultra mit Ryzen AI Max 388, Radeon 8060S und bis zu 120 Watt. Sollte VZMORE die versprochene Leistung in einem kompakten und gleichzeitig leisen System unterbringen können, könnte daraus eine interessante Alternative zu deutlich größeren Gaming- und Creator-PCs entstehen.