Bosch steigt mit dem neuen OneFlow deutlich offensiver in den Markt der Nass-Trockensauger ein. Das zur IFA 2026 vorgestellte Gerät soll Staubsaugen und feuchtes Wischen in einem einzigen Arbeitsgang erledigen und tritt damit gegen inzwischen etablierte Modelle von Dreame, Tineco, Roborock und weiteren Herstellern an.

Technisch setzt Bosch dabei nicht nur auf eine rotierende Wischrolle. Der OneFlow arbeitet mit bis zu 24.000 Pascal Saugleistung, 23 Newton Anpressdruck und einer kontinuierlichen Frischwasserzufuhr. Nach der Bodenreinigung übernimmt die Station außerdem die Pflege der Rolle und reinigt sie mit bis zu 70 Grad Celsius heißem Wasser.

Saugen und Wischen in einem Durchgang

Der OneFlow ist für die kombinierte Aufnahme von trockenem Schmutz, Flüssigkeiten und Flecken auf Hartböden ausgelegt. Statt zunächst zu saugen und anschließend mit einem separaten Wischgerät über den Boden zu gehen, sollen beide Arbeitsschritte gleichzeitig erledigt werden.

Die Wischrolle wird während des Betriebs kontinuierlich mit Frischwasser versorgt. Aufgenommener Schmutz und verschmutztes Wasser gelangen getrennt davon in den Schmutzwassertank.

Das Konzept ist inzwischen zwar nicht mehr neu, Bosch ergänzt es jedoch um einige technische Details, die den OneFlow gerade für einen späteren Praxistest interessant machen.

24.000 Pa und 23 Newton Anpressdruck

Bosch gibt für den OneFlow eine maximale Saugleistung von 24.000 Pascal an. Gleichzeitig drückt das Gerät die Wischrolle mit bis zu 23 Newton auf den Boden.

Damit sollen nicht nur Staub und Krümel aufgenommen werden. Bosch nennt ausdrücklich auch Flüssigkeiten sowie stärker angetrocknete Verschmutzungen als Einsatzgebiet.

Wie viel die vergleichsweise hohe Saugleistung bei einem Nass-Trockensauger tatsächlich zur Reinigungswirkung beiträgt, lässt sich anhand der Pascal-Zahl allein allerdings nicht beurteilen. Rollengeometrie, Wasserführung und Anpressdruck spielen mindestens eine ebenso wichtige Rolle.

500 Umdrehungen pro Minute

Die Reinigungsrolle dreht sich mit bis zu 500 Umdrehungen pro Minute. Währenddessen wird sie kontinuierlich mit sauberem Wasser versorgt.

Ein sogenannter Auto-Squeeze-Mechanismus entfernt überschüssige Flüssigkeit aus der Rolle. Dadurch soll weniger Wasser auf dem Boden zurückbleiben und die gereinigte Fläche schneller trocknen.

Für Haushalte mit empfindlicheren Hartböden dürfte gerade dieser Punkt interessant sein. In einem späteren Test ließe sich beispielsweise messen, wie viel Restfeuchtigkeit tatsächlich auf Laminat, Vinyl und Fliesen zurückbleibt.

Schmutzerkennung passt die Reinigung automatisch an

Ein integrierter Sensor analysiert während der Reinigung den Verschmutzungsgrad des aufgenommenen Wassers. Abhängig davon kann der OneFlow mehrere Parameter automatisch anpassen.

Dazu gehören Wassermenge, Saugleistung und Drehzahl der Wischrolle. Über den sogenannten MicroClean Ring erhält der Nutzer gleichzeitig eine visuelle Rückmeldung über den aktuellen Reinigungszustand.

Zur Auswahl stehen die drei Betriebsarten Auto, Turbo und Dry.

70 Grad heißes Wasser reinigt anschließend die Rolle

Eine wichtige Funktion steckt in der Reinigungsstation. Nach dem Einsatz muss die Wischrolle nicht vollständig von Hand gereinigt werden.

Über eine Taste an der Station lässt sich die automatische Selbstreinigung starten. Dabei wird die Rolle mit Wasser von bis zu 70 Grad Celsius ausgespült.

Anschließend folgt eine Heißlufttrocknung mit Temperaturen von bis zu 75 Grad Celsius. Bosch bietet dafür zwei Modi an. Die schnelle Trocknung benötigt laut Hersteller ungefähr fünf Minuten, während der leisere Modus rund 20 Minuten arbeitet.

Gerade für einen Langzeittest ist das relevant. Bei Nass-Trockensaugern gehören feuchte Rollen, Geruchsbildung und verschmutzte Stationen zu den Punkten, die nach einigen Wochen häufig stärker ins Gewicht fallen als die reine Reinigungsleistung.

Haare sollen nicht um die Rolle gewickelt werden

Bosch integriert außerdem ein Anti-Haarverwicklungssystem. Ein Kamm entfernt Haare während der Reinigung von der Rolle und führt sie in Richtung Schmutzwassertank.

Damit richtet sich der OneFlow auch an Haushalte mit Haustieren oder längeren Haaren.

Wie zuverlässig das funktioniert, ließe sich vergleichsweise einfach testen: Eine definierte Menge langer Haare könnte auf unterschiedlichen Bodenflächen verteilt und anschließend kontrolliert werden, wie viele davon tatsächlich im Tank und wie viele an Rolle oder Bürste landen.

Flach unter Möbel bis auf 13 Zentimeter

Der OneFlow lässt sich für die Reinigung unter Möbeln nahezu waagerecht führen. In dieser Position beträgt die Höhe laut Bosch nur noch etwa 13 Zentimeter.

LED-Leuchten an der Bodeneinheit sollen zusätzlich helfen, Schmutz unter Sofa, Schrank oder Bett zu erkennen.

An Wänden und Möbelkanten reicht die Rolle laut Hersteller bis auf rund zwei Millimeter an den Rand heran.

Mehr als 150 Quadratmeter mit einer Akkuladung

Die Akkulaufzeit gibt Bosch mit bis zu 40 Minuten an. Unter den internen Testbedingungen des Herstellers soll das für mehr als 150 Quadratmeter gereinigte Bodenfläche ausreichen.

Dieser Wert wurde von Bosch in der Auto-Stufe nach einem definierten Testverfahren ermittelt und sollte deshalb nicht mit einer garantierten Wohnfläche gleichgesetzt werden. Verschmutzungsgrad, Turbo-Modus und häufige Richtungswechsel können die reale Reichweite beeinflussen.

Serie 4 und Serie 6 unterscheiden sich beim Komfort

Bosch bringt den OneFlow in zwei Modellreihen auf den Markt. Die grundlegende Reinigungstechnik ist bei Serie 4 und Serie 6 ähnlich, beim Bedienkomfort gibt es jedoch Unterschiede.

Die Serie 6 unterstützt die Bewegung des Saugers sowohl beim Vorwärts- als auch beim Rückwärtsfahren. Bei Serie 4 arbeitet der Bewegungsassistent nur in Vorwärtsrichtung.

Zusätzlich besitzt Serie 6 einen integrierten 100-Milliliter-Behälter, aus dem Reinigungsmittel automatisch dosiert wird. Bei Serie 4 wird Reinigungsmittel bei Bedarf direkt zum Frischwasser gegeben.

Preisangaben von Bosch sind derzeit nicht vollständig konsistent

Bei den Preisen gibt es aktuell eine Besonderheit. Die offizielle Pressemitteilung zum Marktstart nennt für die OneFlow-Familie eine unverbindliche Preisempfehlung, die je nach Modell ab 599 Euro beginnen soll.

Im offiziellen deutschen Bosch-Shop werden einzelne Modellvarianten inzwischen allerdings deutlich günstiger geführt. Das Serie-6-Modell BHF61BL steht dort aktuell beispielsweise für 499 Euro. Bei einzelnen Serie-4-Ausführungen werden sogar noch niedrigere Verkaufspreise angezeigt.

Da diese Angaben direkt aus unterschiedlichen offiziellen Bosch-Quellen stammen, behandeln wir 599 Euro als ursprünglich kommunizierte UPE und die niedrigeren Beträge ausschließlich als aktuell im Bosch-Shop angezeigte Verkaufspreise.

Konkurrenz von Tineco, Dreame und Roborock

Bosch betritt mit dem OneFlow einen inzwischen stark umkämpften Markt. Besonders Tineco hat Nass-Trockensauger in den vergangenen Jahren etabliert. Dreame und Roborock bieten ebenfalls Geräte mit beheizter Selbstreinigung, flacher Bauweise und leistungsfähigen Wischrollen an.

Bosch muss deshalb nicht beweisen, dass das Grundkonzept funktioniert. Interessanter ist die Frage, ob sich das neue Modell bei Reinigungswirkung, Wartungsaufwand, Ersatzteilversorgung und langfristiger Haltbarkeit von der mittlerweile großen Konkurrenz absetzen kann.

Gerade beim Service besitzt eine etablierte Hausgerätemarke wie Bosch grundsätzlich einen interessanten Ansatzpunkt gegenüber vielen jungen Smart-Home-Marken.

Unsere Einschätzung

Der Bosch OneFlow gehört nicht zu den spektakulärsten IFA-Produkten, könnte dafür aber eines der alltagstauglicheren sein. 24.000 Pa, 23 Newton Anpressdruck und 500 Umdrehungen pro Minute liefern eine solide technische Basis. Deutlich wichtiger erscheint uns jedoch die Kombination aus kontinuierlicher Frischwasserreinigung, Anti-Haarverwicklung und automatischer Rollenpflege.

Besonders spannend ist die Heißwasser-Selbstreinigung mit anschließender 75-Grad-Trocknung. Ob damit nach mehreren Wochen tatsächlich weniger Gerüche und Rückstände entstehen, lässt sich allerdings nur in einem längeren Praxistest beurteilen.

Genau deshalb sehen wir beim Bosch OneFlow deutlich mehr Potenzial für einen ausführlichen Test als für einen reinen Vergleich von Datenblättern.